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Microsoft Branchenblogs

Der Bedarf an elektrischen und elektronischen Komponenten in der Automobilfertigung wird im kommenden Jahrzehnt massiv ansteigen. Was müssen Hersteller und Zulieferer bei diesem Thema berücksichtigen? Dies ist das zentrale Thema einer aktuellen McKinsey-Studie mit dem Titel „Automotive Software and Electronics 2030 – Mapping the sector’s future landscape”, die im Juli 2019 veröffentlicht wurde.

Innenraum eines selbstfahrenden Fahrzeugs mit Technologiemerkmalen.

ACES-Trends und ihre Auswirkungen

Das ACES-Konzept (Autonomous Connected Electrified Shared), dessen Begriff vor allem durch McKinsey geprägt wurde, soll die zukünftigen Entwicklungsaufgaben der Automobilindustrie erfassen und beschreiben, indem verschiedene Branchentrends und -veränderungen in vier Pfaden kategorisiert werden: Herausforderungen im Bereich des autonomen Fahrens, bei der Digitalisierung des Straßenverkehrs und vernetzter Fahrzeuge („Connected Cars“), der Entwicklung teil- beziehungsweise vollelektrisch angetriebener Kraftfahrzeuge sowie auf dem Gebiet von (Car-)Sharing-Modellen. All diese Entwicklungen verändern schon jetzt die Automobilbranche und ihre Value Chains.

Marktpotenzial in Zahlen

Gleichzeitig sind die vier ACES-Trends wesentliche Treiber hinter dem prognostizierten Zuwachs im Markt für Automotive-Software und für elektrische und elektronische Komponenten (E/E), dessen Volumen von 236 Milliarden im Jahr 2020 auf 469 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 geschätzt wird. Damit liegt laut den Experten von McKinsey die erwartete jährliche Wachstumsrate in diesem spezifischen Segment höher als in der Automobilindustrie selbst (7 vs. 3 Prozent).

Die Transition von bisher hardwarezentrierten Produkten hin zu einer softwareorientierten, servicegetriebenen Welt ist insbesondere für traditionelle Automobilhersteller eine große Herausforderung. Aus diesem Grund rücken Software und Electronics bei Entscheidern der Branche immer mehr in den Fokus, um rechtzeitige Vorkehrungen zu treffen.

Ausblick: Veränderungen in der Value Chain

War es in der Vergangenheit praktisch Standard, dass OEMs ihre Spezifikationen umfassend festgelegt haben, die dann von den Zulieferern umgesetzt und geliefert wurden, so scheint dieser Ansatz mit den neuen Entwicklungen zu einem Auslaufmodell zu werden. Weder OEMs noch Zulieferer haben die Fähigkeit, dass sie die Technologieanforderungen neuer Systeme selbst vollständig und ganzheitlich definieren. Schon jetzt kaufen große Hersteller entsprechendes Know-how beispielsweise für die Software in selbstfahrenden Autos aus anderen Ländern zu, da ihnen die entsprechenden Fachkräfte fehlen und/oder weil in der internen Entwicklungsabteilung Ressourcen anderweitig gebunden sind.

Eine wichtige Empfehlung lautet daher, die Entwicklungszyklen für die Fahrzeuge einerseits und die Bordsysteme andererseits künftig stärker zu entkoppeln. OEMs und Tier-1-Lieferanten müssen ihre technischen und organisatorischen Prozesse entsprechend anpassen und festlegen, wie sie Funktionen weitgehend unabhängig von den konkreten Fahrzeugmodellen entwickeln, anbieten und bereitstellen. Letztlich geht es darum, die Innovationszyklen gemeinschaftlich zu beschleunigen.

Das Co-Development zwischen OEMs und Zulieferern wird von Branchenkennern nicht nur erwartet, sondern erscheint gerade im Bereich Software und Electronics bloße Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch auch Partnerschaften mit branchenunabhängigen Technologie-Anbietern zahlen sich aus, wie der strategische Ansatz von Microsoft und Volkswagen belegt.

Eine weitere Folge der stärkeren Trennung bei der Entwicklung und Bereitstellung von Hardware und Software ist, dass junge Tech-Unternehmen mit ihren Angeboten in der Branche Fuß fassen. Auf diese Weise entstehen neue Wertschöpfungsketten mit neuen Beteiligten, die die Dynamik in der Automotive-Landschaft massiv verändern und die Komplexität in der Beschaffung für OEMs erhöhen werden. Die gute Botschaft dabei: Skalierungseffekte lassen sich auf diese Weise leichter als bisher erzielen, da es softwareseitig voraussichtlich zu einem Mehr an Standardisierung kommen wird. Ein aktuelles Praxisbeispiel ist die Microsoft Connected Vehicle Platform (MCVP), die durch innovative Schnittstellen auf Basis von Microsoft Azure und dem Internet of Things (IoT) die Infrastruktur-Entwicklungsaufgaben im Bereich Connected Car und Mobility erheblich beschleunigen kann.

Nachgefragt: Wie können Sie sich optimal auf die kommenden Marktentwicklungen vorbereiten?

Die Analysten von McKinsey stellen in ihrem über 40-seitigen Bericht die zu erwartenden Entwicklungen ausführlich dar. Und sie haben konkrete Empfehlungen für die Branche: Um auf Erfolgskurs zu bleiben, sollten OEMs ihre Geschäftsstrategie in zwei Dimensionen anpassen: sorgfältige Kontrolle der stetig steigenden Ausgaben für Hardware- und Software-Entwicklung sowie Stärkung von agileren, cross-funktionalen Entwicklungsorganisationen.

Gerade der letztgenannte Aspekt würde auch Tier-1-Zuliefern zugutekommen, und es sind völlig neue Kooperationsmodelle denkbar, in denen Zulieferer und OEMs den Entwicklungsaufwand gemeinsam stemmen, um die künftigen E/E-Architekturen zu gestalten. Schützenhilfe bei der Umsetzung bekommen sie zudem von den neuartigen Entwicklungen im Bereich der Fertigungssteuerung – Stichwort autonome Systeme, die künftig zum Beispiel mit KI-gestützter Robotik zu Schlüsseltechnologien in der Branche avancieren können. Hier bietet es sich ebenfalls an, auf Unterstützung von einschlägigen Technologie-Anbietern wie Microsoft zurückzugreifen, die die Evolution von künstlicher Intelligenz und Machine Learning mit dedizierten Initiativen vorantreiben.

Bei den Tier-2-Suppliern ist durch die Eruption der klassischen Zulieferwege zudem eine weiter zunehmende Spezialisierung zu erwarten – mit der Besetzung attraktiver Nischen, für die sie ihre Angebote skalieren und ihren Erfolg auf dem zunehmenden Bedarf an innovativen Komponenten gründen können, die in immer mehr Fahrzeugen zum Standard werden.

Fazit: Ob Konzentration auf die Kernkompetenz oder Cross-Player-Strategien – alle Beteiligten werden künftig davon profitieren, wenn sie die Themen Software-Bereitstellung und E/E-Architekturbausteinen mithilfe moderner technologischer Innovationen angehen. Dafür sind die Cloud, Big-Data-Analysen und künstliche Intelligenz als strategische Werkzeuge bereits gesetzt. Informieren Sie sich hier auf unserem Portal deshalb gleich über das Microsoft-Lösungsportfolio und zukunftsweisende Ansätze für die Automobilindustrie.