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Binnendifferenzierung: Praktische Tipps zur Umsetzung im Unterricht

Jeder Schüler und jede Schülerin hat andere Stärken und bringt unterschiedliche Kompetenzen und Lernvoraussetzungen in den Unterricht mit. Manche Kinder begreifen Inhalte beispielsweise schneller über Bildmedien, andere erleben bei der Textarbeit die größten Lernerfolge. Neben der bevorzugten Herangehensweise variieren auch die Lerntempi – im Unterrichtsalltag stellt diese Heterogenität eine große Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer dar. Um wirksam differenzieren zu können, müssen die Leistungen der Einzelnen eingeschätzt und die Unterschiede berücksichtigt werden. Sowohl für das Management, etwa die Bereitstellung verschiedener Unterrichtsmaterialien oder individuelles Feedback, als auch für die einzelnen Arbeitsaufträge gibt es sinnvoll einsetzbare Learning Tools – beispielsweise den Plastischen Reader, Kollaborationstools wie Microsoft Teams und viele weitere digitale Alltagshelfer.

Zwei Schulkinder bei der Arbeite an einem Laptop

Was versteht man unter Binnendifferenzierung?

Bei der Binnendifferenzierung handelt es sich um einen Oberbegriff für organisatorische und methodische Maßnahmen, die dazu dienen, die unterschiedlichen Lernbedürfnisse, Interessen und Kompetenzen in einer Klasse bestmöglich zu berücksichtigen. Es geht darum, das Lernen zu individualisieren und allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, die Lernziele auf jenem Weg zu erreichen, der ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen am besten entspricht. Der Gedanke dahinter: Die Motivation ist dann am größten, wenn Kinder und Jugendliche das Gefühl haben: „Diese Art von Aufgabe liegt mir.“

Die Lehrkräfte nehmen im Rahmen eines binnendifferenzierten Unterrichts eine beratende Rolle ein: Ihre Aufgabe ist es, die individuellen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu erkennen und die unterschiedlichen Lernkompetenzen zu stärken. So erfahren die Schülerinnen und Schüler Selbstwirksamkeit, gewinnen an Selbstbewusstsein und beteiligen sich motivierter am Unterricht. Auf diese Weise trägt die Binnendifferenzierung letztlich zu einer Persönlichkeitsentwicklung bei, die ein selbstständiges und eigenverantwortliches Handeln ermöglicht.

3 methodische Anregungen für einen binnendifferenzierten Unterricht

Um im Unterricht den verschiedenen Lernprofilen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden, haben sich mehrere Methoden bewährt. Lehrkräfte können sie anwenden, um die Inhalte in Bezug auf das Leistungsniveau und die Herangehensweise der Schülerinnen und Schüler anzupassen. Denkbar sind beispielsweise die folgenden drei Differenzierungsmöglichkeiten:

Differenzierung des Schwierigkeitsgrades:

Um jede und jeden in den Unterricht zu integrieren, bieten sich Aufgaben mit variablem Schwierigkeitsgrad an. Hierzu können Lehrkräfte den Kindern unterschiedliche Arbeitsblätter zu Verfügung stellen, von denen manche mit komplexeren Folgeaufgaben versehen sind und andere nicht. Die Schülerinnen und Schüler haben dann die Möglichkeit, selbst darüber zu bestimmen, wie intensiv sie sich mit einer Aufgabe auseinandersetzen wollen. So vertiefen sich alle zwar in das gleiche Thema, tun dies aber in unterschiedlicher Intensität.

  • Tipp 1: Der Plastische Reader kann zum Beispiel den Schwierigkeitsgrad einer Leseaufgabe für jene reduzieren, die Probleme mit dem Lesen beziehungsweise Erfassen von Texten haben.
  • Tipp 2: Im Mathematikunterricht hilft die OneNote-Funktion „Create a Math-Quiz“. Damit können individuelle Übungsaufgaben auf Basis gelöster Gleichungen automatisch generiert werden.

Eine andere Möglichkeit stellen offene Aufgaben dar. Im Fremdsprachenunterricht könnte der Arbeitsauftrag an die Klasse beispielsweise lauten: „Schreibt etwas über eure Familie“. Eine solche Aufgabe können alle Lernenden im Rahmen des ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Vokabulars bearbeiten. Sprachaffine Schülerinnen und Schüler widmen sich der Aufgabe mit einem vielfältigen Wortschatz, die anderen benutzen vielleicht weniger Wörter – aber alle Schülerinnen und Schüler profitieren von der Erfahrung, die Aufgabe zu lösen.

Unser digitaler Hub Microsoft Teams erlaubt es der Lehrkraft, individuell auf Schülerfeedback einzugehen und Hilfestellung zu leisten – etwa durch einen kurzen Kommentar zu einem Zwischenergebnis. Ebenso kann einzelnen Schülerinnen und Schülern oder Arbeitsgruppen zusätzliches Material zur Verfügung gestellt werden.

Methodische Differenzierung:

Hierbei werden die Schülerinnen und Schüler durch verschiedene Methoden an die Inhalte herangeführt. Im Geschichtsunterricht können sie zum Beispiel in Projektgruppen entweder eine kurze Szene oder eine Mindmap mit Microsoft Whiteboard entwerfen oder ein Essay in Word schreiben. Beides kann kollaborativ erfolgen und alle Gruppenmitglieder involvieren. An dem gemeinsamen Thema arbeiten alle nach eigenen Möglichkeiten mit. Unter Umständen kann sich jedes Gruppenmitglied auch je nach Interesse ein Unterthema vornehmen.

Über Kollaborationstools wie Microsoft Teams werden die Ergebnisse zusammengetragen, um sie im Anschluss den anderen Gruppen zu präsentieren. Tipp: Idealerweise geben sich die Gruppen untereinander Feedback und erhalten anschließend Zeit für eine Überarbeitung. So entstehen heterogene Lernergebnisse, von denen alle Klassenmitglieder profitieren.

Differenzierung des Medienangebots:

Manche Lernenden können mehr mit Bildmedien anfangen und andere mit Texten. Wenn es möglich ist, den Unterricht in zwei Räumen stattfinden zu lassen, kann in einem Raum ein Lernvideo gezeigt und im anderen eine Aufgabe zum gleichen Thema mittels Lehrbücher erarbeitet werden. Anschließend sollten die Schülerinnen und Schüler auch für die Reflexion des Gelernten ihre bevorzugten Medien wählen dürfen. So könnten sie beispielsweise die Option haben, eine schriftliche Zusammenfassung anzufertigen, Grafiken zu erstellen oder eine PowerPoint-Präsentation vorzubereiten, die Text- und Bildelemente vereint.

Fazit

Das didaktische Konzept der Binnendifferenzierung wird den Anforderungen unserer diversen Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht und eignet sich, die individuellen Stärken aller Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu entwickeln. Intelligente Tools wie „Create a Math-Quiz“ oder der Plastische Reader eröffnen vollkommen neue Möglichkeiten der individuellen Förderung. Mit dem Reader haben Kinder die Möglichkeit, ihre Leselernfähigkeit schnell zu verbessern, abstrakt zu denken und sich mit dem Gelesenen tiefgehend auseinanderzusetzen. Schülerinnen und Schüler mit Lesestörungen wie Dyslexie erhalten mit dem Plastischen Reader Zugang zu Texten, können beispielsweise die Vorlesefunktion nutzen, sich Bilder zu Begriffen anzeigen lassen und auf diese Weise erheblich bessere Lernergebnisse erzielen.

Der Lehransatz der Binnendifferenzierung erfordert, dass Sie als Lehrkraft im Unterricht eine veränderte Rolle einnehmen und vorhandene Materialien modifizieren und gegebenenfalls anders zur Verfügung stellen müssen. Hierbei können digitale Medien eine sinnvolle Unterstützung darstellen – etwa bei der Anfertigung von individualisierten Arbeitsblättern oder zur Bereitstellung von Materialien, die text- und bildorientierte Darstellungsmöglichkeiten verbinden.