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Menschen, Häuser, Städte, Fabriken, Gesundheitswesen – die Digitalisierung zieht verstärkt in alle Lebensbereiche ein und verändert sie zu SmartCities, SmartHomes, SmartFabrics, SmartHealth und SmartHumans. Obwohl der Begriff noch nicht in der Gesellschaft angekommen ist, sind SmartSchools die Schulen von morgen. Der bereits vor Jahrzehnten initiierte technologische Wandel nimmt Tempo auf und die Schulen müssen sich dieser Herausforderung zeitnah stellen.

 

Fortbilden im digitalen Wandel – das Fortbildungskonzept des Erich-Gutenberg-Berufskollegs in Köln

Der Digitalpakt sowie landeseigene Initiativen wie beispielsweise Gute Schule2020 in NRW eröffnen im Moment den Schulen die Möglichkeit, sich relativ schnell eine digitale Infrastruktur aufzubauen. Diese Finanzierungsinitiativen zur Digitalisierung müssen durch ein Fortbildungs- oder Begleitungskonzept gestützt werden. Dabei ist es egal, ob es sich um schulinterne Fortbildungen, individuelle Fortbildungen vor Ort oder externe Fortbildungsmaßnahmen handelt. Die großen Ängste vieler Lehrkräfte vor der Digitalisierung – besser gesagt: vor dem Umgang mit der Digitalisierung – müssen angenommen und die benötigten Kompetenzen vermittelt werden.

 

„Die Digitalisierung kommt nicht mehr – sie ist bereits da!“

Das EGB hat lange vor diesen Initiativen ein fünfstufiges Fortbildungskonzept entwickelt – dabei schulen Lehrer Lehrer (Admin-Fortbildungen und Digitale Steuergruppe), Schüler und Lehrer schulen Schüler und Lehrer (eScouts-Projekt), Schüler schulen Schüler (P@P-Projekt) und Schüler und Lehrer schulen Schüler, Lehrer und Partner (my eWorld). Schüler und Auszubildende dienen im Fortbildungskonzept als Multiplikatoren und geben ihr digitales Know-how an andere Schüler und Lehrer weiter. Dies ist für die Schüler und Auszubildenden eine völlig neue Erfahrung. Sie entwickeln eigene pädagogische und soziale Kompetenzen, die auch in ihrem zukünftigen Berufsleben wertvoll sein werden. Zudem reflektieren sie die Rollen ihrer Lehrer und Ausbilder. Der Ansatz der „Peer-Education“ ist hierbei besonders hilfreich: Einerseits lernen junge Menschen lieber von Gleichaltrigen, andererseits können sie Gleichaltrige aufgrund eines ähnlichen Mediennutzungsverhaltens zielgruppenadäquat unterrichten.

Die erste Stufe des Fortbildungskonzeptes, die klassischen Fortbildungen externer Anbieter, wird gebündelt in einem eigenen Kommunikationskanal der Lernplattform Office365, um eine hohe Transparenz und einen schnellen Zugang für das Kollegium zu bieten.

 

Fortbildungskonzept in fünf Stufen

 

Bei den letzten vier Stufen handelt es sich um interne Fortbildungen mit eigenen Moderatoren, d. h. Lehrer, Schüler oder Teams der Schule. Die Begründung dafür liegt auf der Hand: Interne Fortbildungen können exakt an die Bedürfnisse des Kollegiums angepasst werden – man holt die Lehrer dort ab, wo sie sich gerade befinden. Auch zeitlich können die Fortbildungen dann angesetzt werden, wenn sie benötigt werden, ohne langen organisatorischen oder zeitlichen Vorlauf, der gerade bei der 1. Stufe, den externen Fortbildungen, oft auftritt. Der einzige Stolperstein im Fortbildungskonzept besteht in der Vorgabe des Ministeriums, dass es durch Fortbildungen nicht zu einem Unterrichtausfall kommen darf. Das hat zur Konsequenz, dass schulinterne Fortbildungen nur am Nachmittag und außerhalb der Schulzeit stattfinden können und viele Kollegen durch familiäre oder private Termine an den Fortbildungen nicht teilnehmen können.

 

„Die größte Herausforderung der digitalen Revolution ist sicherlich der Umbau unseres 300 Jahre alten Bildungssystems, das den Anforderungen des schnellen, digitalen Wandels nicht gewachsen ist.“
Vishal Sikka

 

Eine besondere Rolle im Fortbildungskonzept des EGB nimmt das bis heute deutschlandweit einzigartige Konzept my eWorld ein. Ziel von my eWorld ist es, die Chancen und Risiken der digitalen Gegenwart und Zukunft für uns, unsere Schule, unser Kollegium, unsere Schüler und unsere Kooperationspartner (beispielsweise Stadt Köln, IHK Köln, Microsoft Deutschland und viele andere) gemeinsam zu definieren, zu diskutieren, zu bewerten und unser gesamtheitliches SmartSchool-Konzept weiter zu entwickeln und zu leben. My eWorld ist als Mischung zwischen Fortbildung, Workshop und Vortrag gedacht und diskutiert in einem Miteinander verschiedene Themen. Die Reihe soll sich zyklisch wiederholen – zum einen um sich an aktuelle digitale und gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen, zum anderen um weitere Kolleginnen und Kollegen sowie externe Partner einzubinden.

 

Logo von my eWorld

 

Die konzeptionelle Arbeit von my eWorld begann im Januar 2016, die Fortbildungs-/Vortragsreihe my eWorld 1.0 startete dann im April 2018. Anfang 2019 startete der zweite Durchlauf mit my eWorld 2.0, wobei das Konzept ganz bewusst durch ein heterogenes Team aus dem Kollegium, auch gerne mit Schülern oder Auszubildenden, erarbeitet und vorgetragen wird. Ein Ziel von my eWorld ist es seinen, Schülern, Lehrern und Partnern die Möglichkeit zu geben, sich auf die digitale Zukunft und die Gesellschaft einzustellen, in der und mit der sie leben werden. Doch eine Digitalkompetenz allein wird dafür nicht ausreichen – unsere Schüler benötigen weitere, sehr wichtige emotionale und mentale Kompetenzen. Dazu gehören Bereiche wie ein gesundes Selbstwertgefühl, Empathie und Menschlichkeit, Frustrationstoleranz oder Persönlichkeitsbildung. Sie benötigen ein positives Weltbild mit Hoffnung und Vertrauen in eine Demokratie und in die Zukunft. Aus my eWorld heraus – dem Workshop Mensch 4.0 – wurde aus diesen Gründen ein digitales Humankonzept beziehungsweise ein humanes Digitalkonzept entwickelt, welches in einem medienpädagogischen Konzept mündete.

Die Kombination von Künstlicher Intelligenz, Medizin und Robotik besitzt sogar die disruptive Kraft, neue Lebensformen wie beispielsweise Robo Sapiens, Cyborgs oder Virtuelle Sapiens neben dem Homo Sapiens zu etablieren, und den Lebensraum, das Zusammenleben und das Wirken des Menschen mit der Digitalisierung vollständig zu verändern. Diese Art der Inklusion 2.0 gilt es dann für Schulen, die Arbeitswelt und vor allem die Gesellschaft zu verstehen und zu integrieren.

 

Nachfolgend finden Sie einen Überblick aus unserem zweiten Durchgang – my eWorld 2.0:

My eWorld stellt für das EGB eine gelungene Verbindung zwischen uns als SmartSchool, unseren Schülern, unserem Kollegium sowie unseren Kooperationspartnern und den Chancen und Risiken der digitalen Gegenwart und Zukunft dar. My eWorld war 2019 Preisträger des Wettbewerbs Bildung in der digitalen Welt der Universität Wuppertal als Best-Practice-Beispiel in der Debatte um die Digitalisierung in Lehrerbildung und Fachunterricht. My eWorld zeigte nach den Worten der Jury eine hohe Qualität, Originalität, Anwendbarkeit und Übertragbarkeit. Sollten Sie Interesse an einer Teilnahme an den my eWorld-Workshops haben, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf (dsteppuhn@egb-koeln.de).

Weitere Ausführungen zu my eWorld finden sich in meinem Buch: SmartSchool – die Schule von morgen, erschienen im September 2019 im Gabler Springer Verlag. Neue gesamtheitliche Konzepte wie das im Buch vorgestellte my eWorld-Konzept unterstützen Schulen auf dem gemeinsamen Weg zur Schule von morgen. In diesem Buch finden alle an der Digitalisierung Interessierten viele Anregungen, Tipps, Ideen und Beispiele für den erfolgreichen Weg zu einer SmartSchool – der Schule von morgen.

 

Informationen und Kontakt zum Autor

uchcover: Smart Schools von Detlef Steppuhn Detlef Steppuhn ist Lehrer am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln und unterrichtet dort die Fächer E-Commerce, Büroprozesse, Anwendungsentwicklung und IT-Systeme. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer übt er die Funktionsstelle des Leiters Neue Technologien und Medien am EGB aus. Seit September 2019 ist er auch als Autor im Gabler Springer Verlag tätig mit dem erschienenen Titel SmartSchool – Die Schule von morgen.
www.egb-koeln.de
dsteppuhn@egb-koeln.de
https://www.linkedin.com/in/dsteppuhn/