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Microsoft Branchenblogs

Bildungseinrichtungen haben in den vergangenen Monaten Großartiges geleistet, um ihre Schülerinnen und Schüler trotz Schulschließungen unterrichten zu können. Um die Umstellung auf Fernunterricht und den Aufbau einer digitalen Lernplattform schnell und sicher zu bewältigen, können Schulen sowie Lehrerinnen und Lehrer das kostenfreie Office 365 A1-Angebot und Microsoft Teams nutzen. Hilfestellung auf dem Weg in eine hybride Unterrichtspraxis bietet die LearnEd-Fortbildungsreihe. Alle Informationen zur Unterstützung durch Microsoft während der COVID-19-Krise finden Sie hier.

Best Practice in Corona-Zeiten: Der Jules Verne Campus in München

Stefan Malter

Nach mehr als einem Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie sind Schulen weiterhin in puncto Flexibilität und Digitalisierung gefragt. Dabei kann die Digitalisierung ein hervorragendes Mittel sein, um Flexibilität zu ermöglichen – das ist auch die Erfahrung von Tim Baggott, Ko-Schulleiter der Jules Verne Campus Grundschule in München. Er entwickelte 2018, als die Herausforderungen der darauffolgenden Monate noch nicht abzusehen waren, ein Digital-Media-Konzept, das dem Umgang mit digitalen Werkzeugen einen festen Platz im alltäglichen Curriculum verschaffte. Wie sich zeigte, sollte das allerdings nicht genügen…

 

Veränderung ohne Vorwarnung: Als alles ganz anders kam

Die bilinguale Privatschule hatte sich bereits vor Ausbruch der Pandemie der Digitalisierung geöffnet und beispielsweise Tablets angeschafft. Microsoft 365 gab es ebenfalls an der Schule bzw. dem Lernhaus, jedoch wurde es nur intern von den Mitarbeitenden genutzt. Viel zentraler für die Lernenden im Grundschulbereich waren in puncto neuer Technologien die altersgemäße Annäherung an Robotik und Programmierung sowie der spielerische Umgang mit Lego®-Robotern.

Ein weiterer digitaler Pfeiler war und ist das Online-Lerntagebuch Seesaw, in dem die Lernpartnerinnen und -partner, wie die Schülerinnen und Schüler am Jules Verne Campus genannt werden, eigene Beiträge wie Audiodateien von vorgelesenen Texten, Fotos selbst gemalter Bilder oder selbst verfasste Texte posten und mit den Lehrkräften sowie den Eltern teilen können.

Für das Ausmaß an Digitalisierung, das der notgedrungene Fernunterricht erforderte, war der Jules Verne Campus allerdings zunächst nicht hinreichend gewappnet, wie Tim Baggott erinnert:

„Es war eine überaus große Herausforderung! Wir haben zwar im Klassenzimmer Technologien genutzt, aber was dann auf einmal vonnöten war, war damit nicht zu vergleichen, denn wir mussten alles auf Online-Unterricht umstellen. Uns war schnell klar, dass wir dringend etwas verändern müssten, nämlich den Online-Ansatz möglichst schnell zu implementieren. So sehr es für uns eine Herausforderung war, stellte es gleichzeitig eine Gelegenheit dar, unsere Schule von anderen abzuheben.“

Es galt also, zum einen die unterschiedlich ausgeprägten technologischen Kompetenzen der Lernbegleiterinnen und -begleiter auf einen Stand zu bringen, der die Arbeit mit den digitalen Werkzeugen und miteinander ermöglichen würde. Zum anderen kamen Microsoft Produkte wie Teams und Office verstärkt zum Einsatz, um das Lernen und die Verbindung zu den Lernenden außerhalb des Klassenzimmers sicherzustellen.
 
 

Digitalisierung in Windeseile

Der Campus umfasst Kindergarten, Hort, Grundschule und Gymnasium. So erhalten Lernende eine gestaltete Umgebung, in der autonomes Lernen und Immersion eine große Rolle spielen: Die Lernpartnerinnen und -partner bekommen in der Grundschule pro Klasse jeweils eine deutsch- und englischsprachige Lernbegleiterin oder -begleiter zur Seite gestellt, um beide Sprachen von Kindesbeinen an auf Muttersprachenniveau zu erlernen. Ähnlich verhält es sich mit den digitalen Werkzeugen, die den Kindern und Jugendlichen das Ausprobieren neuer Wege vereinfachen.

Insofern musste die Umstellung auf digital gestützten Fernunterricht sehr rasch vonstattengehen, sodass die Lernbegleiterinnen und -begleiter die jungen Lernenden genauso unterstützen konnten wie im analogen Präsenzunterricht.

„Wir wollten die Verbindung zu den Kindern unbedingt aufrechterhalten und ihnen zeigen, dass wir für sie da sind und ihr Lernen unter den neuen Umständen nicht leiden würde.“ Um die Transformation zu bewerkstelligen, wurden die Eltern und Kinder gebeten, dem Lernhaus eine Woche Zeit zu geben, um alles Nötige einzuleiten. Für diese Übergangszeit gab es einen Notfallplan mit Arbeitsblättern und Aufgaben mit der Aussicht, dass eine Woche später alles auf digitalen Distanzunterricht umgestellt sein würde.

„Das war eine sehr gute Entscheidung“, rekapituliert Tim Baggott. „Denn obwohl eine Woche nicht sonderlich lang ist, hat es gereicht, um sich mit den Technologien vertraut zu machen und gemeinsam eine Woche im Voraus zu planen.“

Das Potenzial von Teams in der Umsetzung

Das Ziel der Planung war es, die Zeit mit den Lernpartnerinnen und -partnern sowie die Lehrqualität zu maximieren. Mit Microsoft Teams ließ sich die Koordination für das Kollegium vom Tim Baggott trotz der räumlichen Distanz einfach umsetzen, zum Beispiel über

  • gemeinsam nutzbare Dokumente,
  • jederzeit herstellbare Gespräche über die Chat-Funktion oder
  • Ad-hoc-Meetings.

In diesem Zuge wurde die Vorbereitung für die Lehrenden auf ein bis zwei Fächer reduziert, damit sie sich besser fokussieren können. Kaum waren die Strukturen und die technischen Voraussetzungen geschaffen, zeigte sich, dass auch die erfahreneren Lehrkräfte, die anfangs teilweise Schwierigkeiten mit den Technologien hatten, rasch mit der neuen Lehr- und Lernumgebung zurechtkamen. Ihre langjährige Erfahrung in der Didaktik machte sich somit schnell in den digitalen Lehrweisen bemerkbar.

Das Beispiel des Jules Verne Campus beweist, dass die älteren Lehrkräfte dank ihres Erfahrungsvorsprungs den digitalen Wandel nicht fürchten müssen – ganz im Gegenteil. Vielmehr wird ersichtlich, dass die Qualität ihrer methodischen und didaktischen Bandbreite auch im digitalen Lehrbetrieb Bestand hat.

Der neue Alltag auf dem Jules Verne Campus und daheim

Mittlerweile ist das Lernhaus des Jules Verne Campus so gut für verschiedene Eventualitäten aufgestellt, dass auch bei Wechsel- oder Distanzunterricht ein ganztägiger Schulalltag realisiert werden kann. Zusätzlich zu den Unterrichtsfächern gibt es Coaching-Sitzungen für die Lernenden, eine live übertragene Sport- und Bewegungsrunde, an der alle Klassen zeitgleich vor ihren Bildschirmen teilnehmen können, sowie eine Kunst- und Handwerksstunde. Vorab erhalten die Lernenden per Teams-Chat Informationen zu den benötigten Materialien, um in der Stunde selbst direkt loszulegen.

Um dem Schultag bei Fern- oder Wechselunterricht eine spürbare Struktur mit Beginn und Abschluss zu geben, treffen sich die Lernpartnerinnen und -partner zum Morgen- und Nachmittagskreis. Hier werden sie vor Beginn ihrer Unterrichtsstunden begrüßt, am Nachmittag wird der Schultag reflektiert.

Auch der britische Schulleiter selbst steht aktiv in Kontakt mit den Erst- bis Viertklässlerinnen und -klässlern. Jede Woche unterhält er sie in der „English Storytime“, der Märchenstunde auf Englisch. Hierbei handelt es sich um ein persönliches Anliegen mit pädagogisch nachhaltigem Wert, denn so werden die deutschsprachigen Kinder frühzeitig mit englischer Sprache und Kultur vertraut.

Für die Lernbegleiterinnen und -begleiter hat sich dank der gemeinsamen Planung im Kollegium der individuelle Aufwand für die Vorbereitung reduziert, sodass sie fokussierter lehren und mit den Lernenden eng in Verbindung stehen.
 
 

Erkenntnisse nach einem Jahr voller Veränderungen

„Die Bedeutung von Strukturen und Teamarbeit, bei der jede und jeder weiß, was die eigene Rolle innerhalb des Teams ist oder welche Fristen wichtig sind, ist eine der größten Erkenntnisse. Solche Strukturen zu etablieren, stand für uns an erster Stelle. Der andere Punkt ist, zu lernen, wie man als Team effektiv in verschiedensten Kontexten kollaboriert, also sei es online, im Präsenz- oder im Hybridunterricht. Dabei geht es nicht nur um die Kollaboration zwischen den Lehrkräften, sondern auch um die Zusammenarbeit mit den Lernpartnerinnen und -partnern.“

Der Umstieg auf digitale Anwendungen habe letztlich auch für ihn als Ko-Schulleiter zu einer Erleichterung von Arbeitsabläufen geführt, etwa beim spontanen Verschicken einer Mitteilung an alle Lehrenden oder dem Austausch mit ihnen, den Eltern und den Kindern.

Bei den jungen Lernenden war es interessant zu sehen, wie sonst schüchterne Kinder plötzlich innerhalb der digitalen Lernumgebung aufblühten. Das Vorlesen eines englischen Textes ist für jene, deren erste Sprache Deutsch ist, nicht immer einfach, so Tim Baggott. Oft spielen auch Ängste mit. Er war beeindruckt, dass manche dieser Kinder den Text in erstaunlich gutem Englisch einlasen, da sie sich nicht so beobachtet fühlten:

„Technologie kann befreien, selbst im Kontext des Klassenzimmers. Neue Werkzeuge und Fertigkeiten eröffnen neue Möglichkeiten.“

Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter?

Für die Zukunft wünscht sich Tim Baggott, dass die Arbeit mit den digitalen Werkzeugen nicht verlorengeht, wenn Präsenzunterricht wieder der Normalfall ist. Zum Beispiel kann er sich gut vorstellen, dass eine Unterrichtsstunde parallel für eine weitere Klasse übertragen wird, falls eine der Lehrkräfte mal ausfällt.

Außerdem hofft er, dass die Teamarbeit weiterhin so reibungslos vonstattengeht und digitale Werkzeuge bei dem Setzen von Zielen, dem gemeinsamen Arbeiten an einem Dokument sowie dem Erstellen von Aufgaben und Terminen selbstverständlich bleiben. Die flexible und dynamische Auseinandersetzung sei für ihn einer der großen Vorteile, die digitale Anwendungen bieten.

Weitere Neuerungen am Jules Verne Campus sind mit den 3D-Druckern in Aussicht, die demnächst im „Tech Eck“ für die Lernenden zum Experimentieren bereitstehen. Dafür allerdings muss noch etwas Zeit ins Land gehen und die Pandemie abklingen. Dann können die jungen Entdeckerinnen und Entdecker wieder alle vor Ort sein und sich daran erfreuen – am liebsten ohne Maske, dafür mit einem Lächeln auf den Lippen.

Der Best Case im Überblick: Die Grundschule des Jules Verne Campus in München

Die Umstellung auf digitalen Fernunterricht gelang dank der gemeinsamen Anstrengungen von Schulleitung, Lehrenden und Lernenden äußerst schnell. Die Fokussierung auf ausgewählte Fächer und die übergreifende Planung der Unterrichtseinheiten tragen zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre für die Lehrkräfte bei. Die Lernenden können wiederum die unzähligen Möglichkeiten wie Microsoft Teams für sich entdecken und sich so spielerisch zum Lernen vernetzen. Ko-Schulleiter Tim Baggott weiß das Potenzial solcher Kollaborationstools sehr zu schätzen und ist froh über die allseits angenommene Nutzung.

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