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Best Practice in Corona-Zeiten: Geschwister-Scholl-Schule in Rheinland-Pfalz

Bildungseinrichtungen haben in den vergangenen Monaten Großartiges geleistet, um ihre Schülerinnen und Schüler trotz Schulschließungen unterrichten zu können. Um die Umstellung auf Fernunterricht und den Aufbau einer digitalen Lernplattform schnell und sicher zu bewältigen, können Schulen sowie Lehrerinnen und Lehrer das kostenfreie Office 365 A1-Angebot und Microsoft Teams nutzen. Hilfestellung auf dem Weg in eine hybride Unterrichtspraxis bietet die LearnEd-Fortbildungsreihe. Alle Informationen zur Unterstützung durch Microsoft während der COVID-19-Krise finden Sie hier.

Best Practice in Corona-Zeiten: Die Geschwister-Scholl-Schule in Wallhausen/Waldböckelheim

Manchmal braucht es Druck, damit Dinge schneller umgesetzt werden. Diese Erfahrung haben mit Beginn der Corona-Pandemie viele Bildungseinrichtungen gemacht, darunter auch die Geschwister-Scholl-Schule. Diese vereint eine Grundschule und eine integrative Realschule plus an den Standorten Wallhausen und Waldböckelheim in Rheinland-Pfalz. Bereits 2018 hatte Lehrer Jochen Bechtluft-Sachs damit begonnen, ein Medienkonzept zu entwickeln, das schließlich im April 2020 in Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem schulinternen IT-Team fertiggestellt wurde. In der Umsetzung ab Frühjahr 2020 erlebte es eine immense Beschleunigung, nämlich von geplanten fünf Jahren auf effektiv ein Jahr. Wie die Lehrkräfte dies zusammen mit den Lernenden und deren Eltern geschafft haben, beleuchten wir im Folgenden.
 

Abbildung 1: Schulleiterin Petra Kohrs (rechts) mit den engagierten Lehrkräften Corinna und Benjamin Knoth, Jan Mück und Jochen Bechtluft-Sachs (v. l. n. r.; oben nach unten)

 

Digitalisierung in Windeseile: Wie die Geschwister-Scholl-Schule durchstartete

Als Jochen Bechtluft-Sachs vor wenigen Jahren OneNote im Unterricht mit seiner achten Klasse einsetzte, hätte er wahrscheinlich selbst nicht gedacht, dass ab 2020 alle Kolleginnen und Kollegen auf digitale Tools umstellen würden. Die Geschwister-Scholl-Schule hatte vor einigen Jahren im Bereich der Sekundarstufe I und ab 2018 mit der Grundschule am Projekt „Medienkompetenz macht Schule“ teilgenommen und in ausgewählten Unterrichtsräumen waren digitale Tafeln und Tablets im Einsatz. Doch eine vollumfängliche Arbeit mit digitalen Werkzeugen galt damals noch als Zukunftsmusik.
Als am 15. März 2020 auf Fernunterricht umgestellt wurde, arbeitete die Schule noch ohne Videokonferenzen, dafür mit einer schulinternen Cloud zum Datenaustausch. Da es nach den Osterferien 2020 kein Zurück ins Klassenzimmer gab, musste schnell ein Plan gefasst werden, wie sich künftig der Unterricht mit räumlichem Abstand gestalten ließe. Also wurde das digitale Lernfeld aufbauend auf den vorhandenen Ressourcen wie Office 365-Lizenzen und E-Mail-Adressen über Microsoft ausgeweitet. Dabei spielte OneNote als Kommunikationsmittel für die Lehrkräfte eine wesentliche Rolle. Für die Lernenden beinhaltete der Schulalltag nach den Osterferien letzten Jahres folgende Elemente:

  • eine eigene E-Mail-Adresse
  • kostenfreie Office 365-Lizenzen über das A1-Angebot
  • Nutzung von OneNote zum Austausch der Lerninhalte
  • Einsatz von Videokonferenzen im Unterricht via MS Teams (von der Grundschule bis zur zehnten Klasse)

Lehren und Lernen mit System: Die Entwicklung des pädagogischen Konzepts

Was die Lehrkräfte wie Schulleiterin Petra Kohrs schnell erkannten, war die Notwendigkeit eines gut durchdachten pädagogischen Konzepts. Das Ziel war es, die Schülerinnen und Schüler auch im Distanzunterricht dazu zu befähigen, gemeinsam und selbstständig zu lernen und alle Beteiligten zu entlasten. Aus der Teilnahme der Lehrenden Benjamin Knoth und Anna Meyer sowie des Schulelternsprechers Johannes Wahl am Hackathon #wirfürschule resultierte folgendes Unterrichtskonzept:
 

Abbildung 2: Das Schulkonzept „ENTLASTUNG“ der Geschwister-Scholl-Schule in Wallhausen/Waldböckelheim, Rheinland-Pfalz; Quelle: Geschwister-Scholl-Schule

 

Das von der Schule „ENTLASTUNG“ getaufte Konzept zielt darauf ab, dass alle Beteiligten auf Sicherheit und Zuverlässigkeit im Lernen und Lehren vertrauen können – sei es im Präsenz-, Hybrid- oder Distanzunterricht. So wird im Präsenzunterricht geübt, wie die Schülerinnen und Schüler im Grundschul- sowie im Sekundarstufe-I-Bereich digital souverän werden und im Falle von Wechsel- oder Distanzunterricht reibungslos umschalten können.

Der Wochenplan: das Herzstück des Unterrichts an der Geschwister-Scholl-Schule

Während des Distanzunterrichts dominieren natürlich die digitalen Einheiten. Um diese einzuüben, arbeiten Lehrende und Lernende der Geschwister-Scholl-Schule gemeinsam mit einem Wochenplan. Sonntagabends wird der Plan für die jeweils kommende Woche hochgeladen – ihm können die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern entnehmen, welche Themen und Aufgaben anstehen.
 

Abbildung 3: Einblicke in einen Wochenplan für Grundschülerinnen und -schülern der Geschwister-Scholl-Schule

 

Für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I beinhaltet der Wochenplan eine Struktur, wie sie dem üblichen Stundenplan entsprechen würde, feste Termine für Videokonferenzen und wichtige Informationen, etwa zu bevorstehenden Tests.
Zudem erhalten alle Lernenden die Möglichkeit, sich Ziele für die aktuelle Woche zu stecken und Feedback über die Wahrnehmung der eigenen Fortschritte zu geben. Über Emojis können die Schülerinnen und Schüler direkt rückmelden, was gut lief, wo sie Schwierigkeiten und Übungsbedarf haben und ob sie die Möglichkeit der Selbstkontrolle genutzt haben. Dies sowie Lernstandkontrollen über Quiz und Forms geben den Lehrenden wie den Eltern einen guten, differenzierten Überblick über den aktuellen Lernstand sowie Hinweise zur individuellen Unterstützung.

Stefan Malter

 

„Das, was wir hier erleben, ist in meinen Augen eine Form der Reformpädagogik.“ – Petra Kohrs, Schulleiterin

In der ersten Klasse, in der es um die Schaffung der Grundlagen des schulischen Lernens geht, finden während des Distanzunterrichts Videokonferenzen in kleinen Gruppen sowie regelmäßige Lehrersprechstunden für Kinder und Eltern statt. Als technische Ausstattung kommen im ersten Schuljahr Padlets erfolgreich zum Einsatz.
Der konkrete Tagesablauf kann sich bei den höheren Jahrgangsstufen von Person zu Person unterscheiden, da der Wochenplan den Freiraum für eigenverantwortliches Lernen bietet. Feste Rituale für alle Lernenden sind der gemeinsame Wochenstart am Montagmorgen und der Wochenrückblick am Freitag, die die Schülerinnen und Schüler regelmäßig in den sozialen Austausch bringen.

Kommunikation und Zusammenarbeit mithilfe digitaler Tools

Für die Zusammenarbeit unter den Lehrenden wie den Lernenden nimmt OneNote neben Teams eine zentrale Funktion ein. Hierüber läuft zudem ein Großteil der Kommunikation. Darüber hinaus dienen ClassNotebook und OneNote der Unterrichtsorganisation, zum Beispiel der Bereitstellung und Bearbeitung von Aufgaben und Materialien sowie der Verständigung untereinander.
Jede Schülerin beziehungsweise jeder Schüler hat des Weiteren eine Lernpatin oder einen Lernpaten aus der Schülerschaft. Bevor also eine Lehrkraft gefragt wird, versuchen die jungen Lernenden zunächst, sich gegenseitig zu helfen. Auf diese Weise werden kollaboratives und kreatives Lernen und Arbeiten gefördert, was nicht zuletzt in der Berufswelt das A und O ist, gleichzeitig werden die Lehrkräfte entlastet.
Ansonsten spielt die interne Befähigung der Lehrkräfte durch ein Team von IT-Administratoren, die sich ebenfalls aus der Lehrerschaft rekrutieren, eine wesentliche Rolle. Benjamin Knoth, Jan Mück und Jochen Bechtluft-Sachs sind in dieser Funktion für die Weiterentwicklung und Umsetzung des Medienkonzepts verantwortlich, zudem stellen sie den First-Level-Support an der Schule sicher und dienen als Bindeglieder zur IT-Abteilung des Schulträgers.

„Es ist wichtig, Bindeglieder zu haben, um IT und Lehrkräfte zu vernetzen und die Kommunikation zwischen ihnen zu gewährleisten.“ – Jochen Bechtluft-Sachs

Zusammen mit Corinna Knoth, ebenfalls Lehrerin an der Schule, sorgen sie als Multiplikatoren für digitale Bildung dafür, dass ihre Kolleginnen und Kollegen die erforderlichen Fortbildungen zum Einsatz digitaler Tools erhalten – und das mit Erfolg: Selbst Lehrkräfte mit gering ausgeprägten Vorkenntnissen haben sich an der Geschwister-Scholl-Schule gut in den neuen Alltag mit MS OneNote und Teams eingelebt.

Die Zukunft des Unterrichts an der Geschwister-Scholl-Schule

Die Schule konnte ihre Weiterarbeit mit Microsoft Office-Produkten behördlich zunächst bis 2022 sichern. Für die Zukunft arbeitet das Team daran, dass jeder Schülerin und jedem Schüler künftig ein eigenes Endgerät zur Verfügung steht und alle Klassenzimmer der Schule mit digitalen Tafeln sowie Projektionsflächen ausgestattet werden, wie Jan Mück sagt.
Für Petra Kohrs und ihre Kolleginnen und Kollegen sind fächerübergreifendes Arbeiten, andere Aufgabenformate oder der reibungslose Übergang von der vierten zur fünften Klasse anstehende Vorhaben:

„In allen möglichen Bereichen ist unfassbar viel Dynamik. Wer schlau ist, springt auf den Zug der Digitalisierung des Unterrichts auf.“ – Petra Kohrs

Rückblick auf ein Jahr verschiedener Unterrichtsformate

Benjamin und Corinna Knoth bewerten es vor allem als Erfolg, dass sie immer den sozialen Kontakt zu den Kindern halten konnten und kein Kind auf dem Weg in den digitalen Unterricht verloren haben. „Die Kinder hatten immer die Möglichkeit, uns Lehrende zu kontaktieren und uns um Rat zu fragen,“ so Benjamin Knoth. Corinna Knoth ist wie ihre Kolleginnen und Kollegen froh darüber, dass sie zu jeder Zeit wusste, welches Kind was machte und wie der Lernstand war. Außerdem begreift sie die pandemiebedingte Umstellung als Chance, Schule neu zu denken und Veränderungen anzustoßen: „Ohne Corona wäre das nicht ansatzweise passiert.“
Schulleiterin Petra Kohrs ergänzt: „Schulentwicklung betreibt man aus dem Bedarf heraus, und hier gab und gibt es ganz klar den Bedarf.“ Vom Bedarf ausgehend wurden eine Strategie und ein Plan entwickelt, der immer wieder optimiert wurde und wird. Für sie war es zudem schön zu sehen, wie das Kollegium näher zusammenrückte und sich alle gegenseitig, aber auch jede und jeder sich selbst, noch besser kennenlernte.
Jan Mück stimmt es positiv, wie Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte beiderseits viel dazu gelernt haben. So kam es in den letzten zwölf Monaten mehr denn ja darauf an, sich auf Neues einzulassen und beispielsweise Tools auszuprobieren. Darüber hinaus schätzt er es sehr, dass die Schule bei dem Überangebot an digitalen Produkten einen guten Weg gefunden habe und nun eine Basis geschaffen sei, auf der sich aufbauen lasse.

Der Best Case im Überblick: Die Geschwister-Scholl-Schule in Wallhausen/Waldböckelheim

Die Geschwister-Scholl-Schule hat den Spagat von analoger zu digitaler Unterrichtsgestaltung dank guter Konzepte und einer klaren Vision zur Zufriedenheit aller Beteiligten gut umsetzen können. Gleichwohl sind sich Schulleitung wie Lehrkräfte bewusst, dass dieser Veränderungsprozess kein Ende kennt. Dafür sind sie bestens gewappnet und freuen sich auf das Kommende.

 
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