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Sozial-emotionales Lernen: Der Kompass im digitalen Unterricht der Zukunft

In Zeiten des coronabedingten Fernunterrichts sehen sich Schülerinnen und Schüler mit einer Situation konfrontiert, in der das Lernen überwiegend allein und nicht mehr im persönlichen Austausch mit Gleichaltrigen stattfindet. Dies stellt die jungen Lernenden vor große Herausforderungen – und verursacht bei einigen Ängste und Gefühle der Einsamkeit bis hin zu Depressionen.

Sozial-emotionales Lernen, kurz: SEL, ist ein bewährtes Konzept, das heutzutage noch einmal an Aktualität gewinnt. Der Ansatz hebt darauf ab, dass Kinder die Fähigkeit zum Selbstmanagement und zur Selbstwahrnehmung ausbilden und ihre Beziehungen zu anderen stärken. Auf diese Weise lernen sie sich selbst und ihre Gefühle besser kennen, können gesunde Beziehungen zu Mitmenschen aufbauen, Konfliktsituationen konstruktiv lösen, durchdachte Entscheidungen treffen und nicht zuletzt schulische wie soziale Aufgaben besser angehen.
 
 
Beim sozial-emotionalen Lernen spielt die Verbindung zu Mitschülerinnen und Mitschülern, Lehrenden und Eltern eine wesentliche Rolle, egal ob digital oder analog.
 

Was kann sozial-emotionales Lernen leisten?

Bereits im Jahr 2018 hat NESET, eine Initiative der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission, den Bericht „Sozial-emotionales Lernen als wichtiges Element von Lehrplänen in der EU“ erstellt. Darin heben die Autorinnen und Autoren die positiven Auswirkungen von sozial-emotionalem Lernen auf die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung hervor, darunter:

  • Verbesserung der emotionalen und sozialen Kompetenz
  • prosoziales Verhalten
  • geistige Gesundheit
  • positive innere Haltung
  • geringeres Risiko für psychische Störungen, Kriminalität und Drogenabhängigkeit
  • höherer Lernwille und -erfolg
  • positiver Einfluss auf diverse Bereiche im Erwachsenenalter, zum Beispiel psychische Gesundheit und höhere Bildungsabschlüsse

Je früher SEL ein- und ansetzt, desto größer sind die Erfolge im Leben, die sich daraus ableiten können. Zur Untermauerung der Relevanz sei darauf hingewiesen, dass sich SEL auch wirtschaftlich gesehen auszahlt. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt im Durchschnitt bei etwa eins zu elf, sprich der Nutzen ist im Vergleich zu den Kosten deutlich höher.

Die Big Five im sozial-emotionalen Lernen

Derzeit ist die OECD mit der zweiten Phase einer groß angelegten Studie zu sozial-emotionalen Fähigkeiten befasst, in der sie die Big Five der psychologischen Dimensionen genauer in den Blick nimmt:

  • Offenheit für Erfahrung (Aufgeschlossenheit)
  • Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  • Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit)
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit (Kooperationsbereitschaft, Empathie, Rücksichtnahme)

Jedes dieser fünf Cluster ist eng mit angrenzenden Fähigkeiten verbunden. So ist Aufgeschlossenheit beispielsweise mit Neugier, Toleranz und Kreativität konnotiert. Die Gruppierung erlaubt es Pädagoginnen und Pädagogen, die jeweiligen Fähigkeiten systematisch zu betrachten und bei der Entwicklung der Lernenden zu berücksichtigen.

Wie die Ausführungen und bisher vorhandenen Daten der OECD-Studie zeigen, beeinflussen sozial-emotionale Fähigkeiten schulisch relevante Kompetenzen und Leistungen in beachtlichem Maße. Selbst wenn die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen gut ausgebildet sind, kann es sein, dass diese aufgrund mangelnder oder nicht hinreichend ausgeprägter sozial-emotionaler Fähigkeiten nicht voll entfaltet werden und zur Geltung kommen. Bringt man die Erkenntnisse auf den Punkt, lässt sich sagen: Wer schlau ist, ist deswegen nicht unbedingt erfolgreich.

Das hat für junge Menschen spätestens dann spürbare Konsequenzen, wenn sie sich auf den Arbeitsmarkt begeben. Jene mit ausgeprägten Fähigkeiten sozial-emotionaler Natur erzielen in der Regel bessere Resultate – sei es bei Vorstellungsgesprächen, Positionen oder der Einkommenshöhe. Je schlechter die sozial-emotionalen Fähigkeiten ausgeprägt sind, desto schlechter fallen oft die zuvor angeführten Kennwerte aus.

Einbindung von SEL in den Lehrplan

Da SEL bislang über keinen eigenständigen Zeitrahmen im Lehrplan verfügt, helfen digitale Tools bei der Ausbildung sozial-emotionaler Fähigkeiten. Über Tools wie Flipgrid oder Microsoft Teams haben Lernende die Möglichkeit, sich auch in der Distanzlehre miteinander auf kreative Weise auszutauschen und in Verbindung zu bleiben.

Mit dem Feature „Lob“ steht dem gegenseitigen Wertschätzen nichts im Wege, während Lehrende über die Anwendung „Insights“ immer über den Status quo ihrer Schützlinge auf dem Laufenden bleiben.

Mit „Reflect in Teams“ können Lehrende Studierenden beziehungsweise Schülerinnen und Schülern dabei helfen, ihre eigenen Gefühle zu erkennen sowie das eigene emotionale Vokabular zu erweitern. Als Lehrkräfte erhalten Sie zugleich hilfreiches Feedback, um sich ein Bild von Ihrer Klassengemeinschaft zu machen.

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Und auch mit Minecraft: Education Edition können Schülerinnen und Schüler lernen, ihre Stärken zu erkennen, mit anderen zu verhandeln und erste Führungskompetenzen ausbilden.

Weitere Best-Practice-Lösungen für sozial-emotionales Lernen

Neben Microsoft Teams und den genannten Apps „Lob“ und „Reflect“ gibt es weitere Strategien, mit denen Sie sozial-emotionales Lernen im Unterricht einbinden können. Das Themengebiet ist etwa Teil unseres Microsoft Education-Kurses „Schüler- und Schulerfolg – Education Transformation Framework“.

Wie wichtig sozial-emotionale Fähigkeiten in der Schule, aber auch später im Leben sind, geht aus der Untersuchung von McKinsey & Company hervor, in der auch Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen. In dem Whitepaper “Abschlussjahrgang 2030“, das Sie sich kostenlos herunterladen können, finden sich neueste Quellen wieder, unter anderem eine Kooperation mit Microsoft.

Darüber hinaus finden Sie im Artikel “Soziale und emotionale Unterstützung beim Lernen in den Microsoft Education-Tools” weiterführende Impulse, wie Sie sozial-emotionales Lernen in Zeiten von Fernunterricht implementieren können.

In unserem Konferenzband Microsoft Envision Education 2020: Fachimpulse Bildung spielt sozial-emotionales Lernen ebenfalls eine wichtige Rolle. Erfahren Sie darin, was Fachreferentinnen und -referenten zu diesem und anderen aktuellen Themen sagen und empfehlen!

Für diejenigen unter Ihnen, denen englischsprachige Inhalte willkommen sind, empfiehlt sich ein Blick in den Lernpfad “Creating classroom communities using social and emotional practices” sowie die englische Übersichtsseite zum Thema SEL.

 
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