Chancengleichheit in Zeiten digitaler Bildung

 

Zu den wohl wichtigsten Aufgaben von Lehrkräften gehört es, Kinder und Jugendliche bei der optimalen Entwicklung ihrer individuellen Fähigkeiten zu unterstützen. Dazu zählt auch, Schüler*innen mit besonderen Herausforderungen aktiv im Unterrichtsalltag zu begleiten und zu fördern. Doch gerade in größeren Klassen fehlt im Schulalltag dafür oft die Zeit. Die Leistungsabstände zwischen Lernenden können sich noch vergrößern.

In der Pandemie hat sich die Schere an vielen Stellen weiter geöffnet. So ergab eine Studie des Fachbereichs Pädagogische Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, dass insbesondere leistungsschwache Schüler*innen unter dem Distanzunterricht während der Corona-Einschränkungen litten. Das Ergebnis: Die Kompetenzentwicklung der Kinder und Jugendlichen stagnierte in diesem Zeitraum im Vergleich zu früheren Schuljahren deutlich.

 

Digitales Lehren in der Praxis – individuell und lernendenzentriert

Die Bedürfnisse und Leistungspotenziale der Schüler*innen zu kennen, war für Pädagog*innen also noch nie so wichtig wie heute. Den Lehrenden kommt die verantwortungsvolle Aufgabe zu, den Schüler*innen einen Rahmen für selbstständiges, ihrem Leistungsniveau entsprechendes Lernen und Arbeiten zu bieten. Technologien können Schüler*innen dabei unterstützen, ihre persönliche Lernreise im Unterricht aktiv voranzutreiben. Der Schlüssel zu Chancengleichheit und einem motivierenden Lernen für alle sind barrierefreie, digitale Klassenräume und Lernhubs. Sie fördern die Zusammenarbeit und ermöglichen benachteiligten Schüler*innen nachhaltige Lernerfolge.

Welche Chancen bietet die digitale Transformation für mehr Bildungsgerechtigkeit? Welche Rolle spielten digitale Medien dabei, die Folgen der Corona-Pandemie im schulischen Alltag zu bewältigen? Und wie hängen Armut, Begabung, Corona und Digitalisierung zusammen? Diese wichtigen Fragen standen auf der Microsoft Envision Education 2021 im Mittelpunkt der Keynote von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Bestsellerautor und Professor für Erziehung & Bildung in der Migrationsgesellschaft, Universität Osnabrück. Insgesamt bot die virtuelle Bildungskonferenz mehr als 20 spannende Sessions und Keynotes aus fünf Schwerpunkten. Alle Beiträge sich auch weiterhin in der virtuellen Konferenzumgebung ansehen.

 

Lerntools für alle – für Chancengleichheit und den Ausbau individueller Stärken

Office und Microsoft 365 Education geben Lehrer*innen ein kostenloses, leistungsstarkes Paket mit vielen hilfreichen Lerntools für mehr Barrierefreiheit an die Hand. Diese ermöglichen es, die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz entsprechend dem Leistungsstand jedes einzelnen Kindes zu fördern und das Verständnis zum Beispiel anspruchsvoller Texte zu verbessern. Einige Tools erlauben es zudem, den individuellen Stand und Fortschritt der Lernenden übersichtlich zu dokumentieren und personalisierte Aufgaben entsprechend dem jeweiligen Leistungsniveau zu vergeben.

Nicht zuletzt bietet Office 365 Education eine breite Palette an Möglichkeiten, um Menschen mit motorischen, sensorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen optimale Lernerfahrungen zu ermöglichen. Hierzu zählen spezielle Farbfilter, um Texte und Objekte am Bildschirm leichter erkennbar zu machen. Ebenso gibt es eine Diktierfunktion, um motorisch eingeschränkte Menschen beim Schreiben zu unterstützen und Bildschirmvorlesefunktionen für Schüler*innen mit Seheinschränkungen. Zudem können Lehrer*innen Live-Untertitel in Videokonferenzen schalten, um Lernende mit auditiven Wahrnehmungsstörungen besser in das Unterrichtsgeschehen zu integrieren.

 

Hilfe beim Lesen, Schreiben und Rechnen

Die Funktion des Plastischen Readers in Microsoft Word, OneNote und Edge hilft Schüler*innen, ihre individuelle Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis zu verbessern. Das Feature liest Texte per Mausklick Wort für Wort vor, was den Verständnisprozess von Lernenden mit verringerter Lesefähigkeit oder kognitiven Einschränkungen unterstützt. Texte am Bildschirm lassen sich darüber hinaus in puncto Silbentrennung, Zeilen- und Spaltenabstände sowie Hintergründe auf ein leicht lesbares, angenehm erfassbares Schriftbild justieren.

Die in Microsoft Teams integrierte App Reading Progress bietet eine KI-gestützte Lösung, um die Entwicklung der Lesekompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Lehrer*innen können Textpassagen als Übungsaufgaben hochladen sowie verschiedene Einstellungen vornehmen, um die Aufgaben optimal an die individuellen Fähigkeiten der Schüler*innen anzupassen. Diese lesen sich die Texte selbstständig zu Hause vor und erstellen eine Aufzeichnung. Dank automatischer Spracherkennung werden in Reading Progress Aussprachefehler, Auslassungen und andere Auffälligkeiten markiert. Die Aufzeichnung und die Daten können dann von den Lehrenden genutzt werden, um den individuellen Lesefortschritt einfach zu überprüfen und im weiteren Unterricht gezielt auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler*innen einzugehen.

Personen mit Dyskalkulie finden im Gleichungs-Assistent smarte Unterstützung. Lernende geben in OneNote handschriftlich oder per Tastatureingabe eine beliebige mathematische Aufgabe ein. Der Assistent zeigt daraufhin entweder direkt die Lösung an oder leitet die Schüler*innen durch Schritt-für-Schritt-Anweisungen an, um den Lösungsweg zu verstehen. Außerdem stehen zahlreiche Optionen zur Verfügung, um selbstständig mathematische Problemstellungen zu erkunden und auszuprobieren.

 

Support-Tools bei Seh- und Hörproblemen

Auch Lernende mit körperlichen Einschränkungen profitieren von zahlreichen Apps und integrierten Funktionen in Office 365 for Education. Personen mit Sehschwäche beispielsweise finden in den Einstellungen das Center für erleichterte Bedienung, in dem sie ihre Bildschirminhalte leichter erkennbar machen können. Bei Bedarf lässt die Mobile App Seeing AI sie zudem visuelle Inhalte akustisch wahrnehmen: Die App liest unter anderem Texte vor, beschreibt wahrgenommene Farben, scannt Barcodes und erkennt Personen in der Umgebung, um deren Äußeres sowie Emotionen zu beschreiben.

Damit taube sowie schwerhörige Schüler*innen verlustfrei am digitalen Unterrichtsgeschehen teilnehmen können, generiert Stream live und automatisch Untertitel für gesprochene Sprache in Videos. Anschließend wird ein Transkript des jeweiligen Videos bereitgestellt, um Inhalte noch einmal zu rekapitulieren. Da die Untertitel indiziert sind, können die Lernenden komfortabel zu bestimmten Stellen der Session springen, um gezielt Inhalte abzurufen.

 

Blended Learning bei eingeschränkter Mobilität

Die gesamte Steuerung eines Computers ist mit Windows 10 auf unterschiedlichste körperliche Voraussetzungen anpassbar. Zum Beispiel bedienen Lernende sämtliche Programme entweder ausschließlich mit der Tastatur oder auch nur mit PC-Mäusen, Trackballs sowie Joysticks. Außerdem ermöglicht es die Augensteuerung, Eye-Tracking-Geräte in das System einzubinden und die Steuerung ganz ohne den Einsatz der Hände vorzunehmen.

 

Hilfe bei der Fokussierung auf das Wesentliche

Für Schüler*innen mit kognitiven Störungen, Autismus und Krampfanfällen stellt der hybride Unterricht eine besondere Herausforderung dar, weil dynamische visuelle Elemente, wie sie im kommunikativen Miteinander üblich sind, zu Ablenkungen und Störungen führen können. Der Benachrichtigungsassistent und die Leseansicht in Edge minimieren potenzielle Störquellen wie Animationen und Pop-ups und tragen so dazu bei, die Konzentration auf Lerninhalte zu wahren. Zudem können Lernende die Minecraft-Welt Mindful Knight erkunden, um auf einer sozial-emotionalen Lernreise ihre Achtsamkeit und Aufmerksamkeit zu trainieren.

 

Individuelle Lerninhalte für jedes Kompetenzniveau

Microsoft Teams for Education ist eine leistungsstarke Lösung für den kollaborativen Unterricht im Homeschooling. Lehrkräfte können in Teams Dokumente wie Handouts veröffentlichen, Aufgaben verteilen, über Videokonferenzen mit der ganzen Klasse sprechen oder einzelne Gruppenarbeiten anleiten. Weiterhin haben in Teams alle Lernenden ihre persönlichen Arbeitsbereiche, denen Pädagog*innen individuelle Aufgaben, Lernmaterialien und Bewertungen zuweisen können. Die Funktion hilft somit dabei, auf persönliche Stärken und Schwächen einzugehen, zielführend zu motivieren und zu fördern.

 

Digitalisierung, Fairness und Chancengleichheit im Unterricht

Digitale Lehr- und Lerntools bieten vielerlei Möglichkeiten für mehr Chancengleichheit im Unterricht. Wenn Pädagog*innen diese kennen und nutzen, können sie ihre Schüler*innen optimal bei der Entwicklung ihrer persönlichen Kompetenzen unterstützen – und dazu beitragen, dass alle Kinder und Jugendlichen einen fairen Zugang zur Bildung und die Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer individuellen Kompetenzen erhalten.