Best Practice in Corona-Zeiten: Zwei Jahre später an der Geschwister-Scholl-Schule in Rheinland-Pfalz

Bildungseinrichtungen haben in den vergangenen zwei Jahren Großartiges geleistet, um ihre Schüler*innen und Studierenden trotz immer wiederkehrender Schließungen und stetig neuer Quarantäneverordnungen unterrichten zu können. Ganze Gebäudekomplexe mussten mit WLAN ausgestattet werden, Lehrende und Lernende benötigten passende Endgeräte, digitale Lernplattformen mussten ausgewählt sowie eingerichtet und die Nutzer*innen im Umgang mit den neuen Tools geschult werden.

Zu Beginn der Pandemie haben wir Vertreter*innen von Schulen und Hochschulen befragt, wie sie den Wechsel zu digitalem Unterrichten gemeistert haben. Zwei Jahre später sprechen wir uns wieder und möchten wissen, wie es an den Bildungseinrichtungen weitergegangen ist, in welcher Phase der digitalen Transformation sie gerade stecken, welche Meilensteine hinter ihnen liegen und welche Ziele aktuell anstehen.

Digitalisierung im Bildungsbereich: Der Mathelehrer Benjamin Knoth berichtet aus der Praxis.

 

Wie eine erfolgreiche Transformation in Bildungseinrichtungen aussehen kann, haben wir im April letzten Jahres am Beispiel der Geschwister-Scholl-Schule in Wallhausen/Waldböckelheim gezeigt. Damals berichteten drei engagierte Lehrkräfte sowie die damalige Schulleiterin von ihren Erlebnissen aus der Hochzeit der Corona-Pandemie. Den Schulschließungen zum Trotz war dies eine erfolgreiche Zeit für die Grundschule. Die Pädagog*innen hatten ihre bereits geplante, digitale Lernplattform in kürzester Zeit umgesetzt und konnte der neuen Unterrichtssituation souverän begegnen.

Digitale Schule in der Praxis

Doch wie steht es heute um die Unterrichtspraxis in der Schule? Haben die Pädagog*innen und Schüler*innen die damals etablierten Prozesse beibehalten? Benjamin Knoth beantwortet diese Frage. Der Mathematiklehrer gehörte schon damals zu den engagierten Innovatoren an der Schule und bringt die Digitalisierung im Lehrbetrieb noch heute voran. Unter anderem kümmert er sich um administrative IT-Aufgaben und nutzt selbst zahlreiche Lösungen von Microsoft für seinen Unterricht.

Digitalisierung von null auf hundert

Vor der Pandemie verfügten nur die wenigsten an der Geschwister-Scholl-Schule über tiefgreifende Erfahrungen im Umgang mit der schulischen Nutzung von Technologien. Mal eine App auf dem Tablet im Unterricht zu nutzen oder einen Stop-Motion-Film zu produzieren, das gab es schon. Den gesamten Lehrprozess zu digitalisieren, das gab es allerdings noch nicht. Benjamin Knoth weiß das Vertrauen zu schätzen, das die damalige Schulleitung ihm und seinen Kolleg*innen entgegengebracht hat. Er und seine Mitstreiter*innen erhielten viel Freiraum, um ein erfolgreiches, hybrides Unterrichtskonzept zu etablieren.

„Ein umfassendes, digitales System, über das sich alle Prozesse abbilden lassen, was jederzeit zur Verfügung steht – das gab es noch nicht. Es hat dem Kollegium, den Kindern und den Eltern ein Stück weit Sicherheit gegeben.“

Benjamin Knoth

„Jetzt im Sommer befinden sich die meisten Schüler*innen an der Geschwister-Scholl-Schule wieder im Präsenzunterricht. Das Digitale hat zwar etwas nachgelassen, doch die überwiegende Zahl der Schüler*innen nutzt die Angebote regelmäßig“, berichtet Benjamin Knoth. Auf dem Schirm haben er und seine Kolleg*innen derzeit den Herbst – und womöglich wieder steigende Corona-Zahlen. Dank des hybriden Lehrsystems sei man allerdings bestens auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet. „Wir können jederzeit auf den digitalen Lehrbetrieb umswitchen. Vor zwei Jahren wäre das so noch gar nicht möglich gewesen“, berichtet der Lehrer erfreut.

Sobald die Sommerferien vorbei sind, wollen er und sein Team das Anwendungswissen von Lehrkräften und Schüler*innen auffrischen und Neuzugänge an der Schule anleiten – beispielsweise im Umgang mit Videokonferenz-Tools, um bestens auf den Online-Unterricht vorbereitet zu sein.

Tools von Microsoft erfolgreich im Unterrichtseinsatz

Die Pädagog*innen an der Grundschule arbeiten im ersten und zweiten Schuljahr insbesondere mit Tablets, auf denen sie für die Schüler*innen Inhalte bereitstellen. Ab dem dritten Schuljahr arbeiten die Lehrkräfte nach wie vor intensiv mit Microsoft Teams und OneNote-Klassennotizbüchern. Jede Klasse führt ein eigenes Notizbuch und hat ein eigenes Team. Hinzukommen weitere Teams in einzelnen Fachbereichen. So administriert Benjamin Knoth beispielsweise ein eigenes Mathe-Team in seinen Klassen, während die zuständige Klassenlehrerin ein Team für die restlichen Fächer, die sie abdeckt, führt.

Der Wochenplan in OneNote

Innovativ war etwa die Einführung von Kurs-Notizbüchern als Wochenplan. Via OneNote erhalten Schüler*innen und ihre Eltern jeden Sonntag einen Unterrichtsplan, durch den alle gut vorbereitet in die Schulwoche starten. Dieser dient als Überblick über alle kommenden Stunden und Unterrichtsinhalte. Die Schüler*innen haben jederzeit im Blick, was ihre Lehrer*innen behandeln wollen – von Buchseiten bis zu Hausaufgaben. Auf die Unterrichtsinhalte haben sie online über den Wochenplan Zugriff. Zudem können Sie bereits erledigte Aufgaben abhaken und sich ihre Zeit für Hausaufgaben besser einteilen.

Aufgrund des überwiegenden Präsenzunterrichts läuft die Verteilung der Wochenpläne aktuell auf zwei Wegen: In der Schule wird der Wochenplan für jedes Kind farbig ausgedruckt und die Kinder können Kreuzchen bei erledigten Aufgaben in der Schule auf dem Papier machen. Einige Schüler*innen erledigen dies auch direkt digital in ihrem Klassennotizbuch an einem der vorhandenen Tablets, die jeder Klassenstufe leihweise zur Verfügung stehen. Gleichzeitig können Schüler*innen im Homeschooling und nach der Schule via OneNote auf die Wochenpläne zugreifen und Aufgaben digital abhaken.

Die Wochenpläne haben sich für Benjamin Knoth insbesondere im Hybridunterricht bewährt. Wenn Schüler*innen aufgrund eines Corona-Infekts ins Homeschooling gehen müssen, partizipieren sie via Wochenplan weiter am Unterrichtsgeschehen. Das ist ebenfalls für Schüler*innen relevant, die mal eine ausgedruckte Hausaufgabe in der Schule vergessen. Via OneNote sind sämtliche Unterrichtsmaterialien von überall aus verfügbar. „Bücher müssten die Schüler*innen prinzipiell gar nicht mehr hin- und herschleppen“, sagt der Lehrer. Unterstützt wird dieses System durch Microsoft Teams. Die Schüler*innen vor Ort können jederzeit Videokonferenzen mit Schüler*innen zu Hause starten. So wird der soziale Kontakt weiterhin gepflegt und problemlos können Erklärungen untereinander weitergegeben werden. Die Lehrkraft bietet hier die Voraussetzungen und einige Schüler*innen handeln mittlerweile völlig selbstständig.

Für ihn als Pädagoge sind die Kurs-Notizbücher ebenfalls ein ausgesprochen hilfreiches Werkzeug: „Ich habe meinen Unterricht immer parat. Ich kann die Inhalte in der Klasse am Smartboard zeigen und ebenfalls an die Schüler*innen zu Hause durchgeben. Gleichzeitig kann ich mich mit anderen Lehrer*innen abstimmen. Alle sehen, was die Kolleg*innen in der kommende Woche fordern und können ihre Inhalte und Hausaufgaben entsprechend ausrichten.

Benjamin Knoth sieht noch einen weiteren Vorteil: Einmal in OneNote erstellte Unterrichtsinhalte sind immer verfügbar. „Das, was ich einmal für die Unterrichtsvorbereitung erstellt habe, kann ich jederzeit optimieren und zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwenden“, so der Pädagoge. Gleichzeitig können Kolleg*innen, die in einem Krankheitsfall eine Vertretung übernehmen, direkt auf die Inhalte zugreifen. „Die Inhalte stehen online, die Vertretungslehrkraft weiß Bescheid, die Eltern wissen Bescheid und die Kinder wissen Bescheid.“ Zudem gelingt es uns dadurch, den Kopieraufwand minimal zu halten, denn viele Aufgaben können mittlerweile optional digital erledigt werden.

Selbstgesteuertes Lernen durch moderne Lösungen

Dem Mathelehrer ist aufgefallen, dass viele seine Schüler*innen mit digitalen Tools wesentlich selbstständiger arbeiten. „Wir legen großen Wert auf Selbstkontrolle, dass die Kinder eigenverantwortlich Aufgaben erledigen und das Material durcharbeiten,“ erklärt er. Im Kursnotizbuch stellen er und seine Kolleg*innen deshalb regelmäßig Lösungen zur Selbstkontrolle bereit. Im Laufe des Schuljahrs erfolgen zudem Lernstandkontrollen zu den Schwerpunktthemen mit Microsoft Forms für Education, die den Lehrer*innen ein direktes Feedback zum Stand der Kompetenzen ihrer Schüler*innen geben. Die Schüler*innen wissen so, an welchen Stellen noch Übungsbedarf besteht und können so ihr Lernverhalten anpassen.

Derzeit testet das Kollegium die App Reading Progress für Microsoft Teams ab der zweiten Klassenstufe, um die Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen. Die Kinder nehmen sich dabei selbst auf, wie sie einen Text vorlesen. Sie entscheiden, ob sie die Aufnahme noch einmal versuchen und welche Version sie an die Lehrer*innen zur Bewertung senden. „Die Kinder sind durch die Aufnahme viel kritischer mit sich selbst und zudem nicht so gehemmt wie beim Vorlesen vor der ganzen Klasse. Gleichzeitig kann ich den Lesefortschritt jedes Kindes individuell abrufen und Kinder gezielt fördern“, hebt Benjamin Knoth den Nutzen der App hervor.

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