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Microsoft Branchenblogs

Dieser Blogbeitrag bildet den Auftakt zu einer dreiteiligen Serie, in der wir das Thema Analytics in der Versicherungswirtschaft aus unterschiedlichen Perspektiven am Beispiel der Munich Re betrachten. Der nächste Beitrag erscheint schon in der kommenden Woche. Bleiben Sie einfach auf dem Laufenden – mit unserem RSS-Feed

Munich Re sammelt und analysiert seit über vierzig Jahren Daten zu Naturkatastrophen und hat darin einzigartiges Wissen. Um solche Risiken auch in Zeiten explodierender Datenmengen mit bestem Fachwissen und kreativ zu untersuchen, ist der stetige Austausch mit Talenten mit hohem technischen Verständnis, mathematisch-statistischer Qualifikation und einer Affinität zu Big-Data-Analysen von großer Bedeutung. Daher hat der Rückversicherer einen Datathon organisiert, um in besseren Kontakt mit Nachwuchskräften aus dem Universitätsbetrieb und der Startup-Szene zu kommen, die mit unvoreingenommenem Blick neue Denkansätze und Herangehensweisen testen sollten. Stattgefunden hat das Event im Innovation Hub von Munich Re in München.

Bei einem Datathon kommen Informatiker, Datenexperten und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammen und spielen ein Wochenende lang neue Ansätze rund um die Analyse von Daten durch. Die besten Lösungen werden am Ende prämiert.

Bei diesem Datathon habe ich Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler bei Munich Re, getroffen. Rauch ist einer der vielen Wissenschaftler, die bei Munich Re arbeiten. Der studierte Geophysiker ist dort seit 1988 in Risikobewertung und Klimaforschung tätig.

„Risikobewertung ist ein klassisches Betätigungsfeld für einen Rückversicherer, sie ist aber immer stärkeren Veränderungen unterworfen“, erklärte mir Rauch. Ein Beispiel dafür sei der Klimawandel, ein äußerst komplexes Feld. „Wir können aber nur das versichern, was wir verstehen“, sagt Rauch. „Und verstehen heißt: Wir benötigen hier grundlegend richtige Antworten für unsere Kunden und für unsere eigene Geschäftstätigkeit. Darum befassen wir uns seit 40 Jahren mit dem Klimawandel.“

 Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler bei Munich Re

Er erzählt, dass sein ursprünglich auf Erdbebenrisiken fokussierter Verantwortungsbereich schon Anfang der 1990-er Jahre um das Thema Klimawandel erweitert wurde und das Corporate Climate Centre, das er seit seiner Gründung im Jahr 2008 leitet, vor kurzem um die Geschäftsfeldentwicklung mit Kunden im Bereich „Public Sector“ erweitert wurde. Bei Munich Re arbeiten Naturwissenschaftler und Analysten dafür Hand in Hand. Eines ihrer Ziele ist, ein umfassenderes Verständnis davon zu erhalten, wie sich der Klimawandel in einzelnen Regionen auf Schadenmuster auswirkt.

So reagiert Munich Re auf Wandel

Aus der Microsoft-Perspektive heraus interessierte mich natürlich besonders, inwieweit auch die Digitalisierung das Geschäft von Munich Re verändert. Meine Frage danach, ob nicht die Digitalisierung ein ebenso großer Wandel für die Versicherung sei, bestätigte Rauch mit einem klaren „Ja“ und ergänzte: „Das lässt sich sehr gut am Aufgabenfeld zum Klimawandel ablesen. Es fokussiert nämlich neben den Risiken aus sich ändernden Wettermustern auch auf erneuerbare Energien und neue Technologien. Im weiteren Sinne also auf das breite Spektrum von Versicherungslösungen für innovative Technologien zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen bis hin zu technischen und finanziellen Lösungen zur Anpassung an die bereits unvermeidbaren Folgen.“

Der Wissenschaftler berichtet, dass Munich Re beispielsweise IoT-Daten im Bereich Predictive Maintenance auswertet und untersucht, wie hoch das Ausfallrisiko ist. Erst mit einem entsprechenden Verständnis könne man Versicherungsprodukte anbieten, die ein Restrisiko abdecken, auch ohne auf Basis historischer Schäden kalkulieren zu können. Ähnlich sei es in vielen anderen Technologieentwicklungen: „Disruptive Technologien wie Windkraftanlagen in den 1990-er Jahren oder das IoT bringen jetzt auch eine neue Komplexität in der Stromversorgung und der Industrie mit sich“, erklärt Rauch. „Hier brauchen wir eine ganzheitliche Antwort auf die Frage, wie sich die Risiken entwickeln, die wir als Versicherer in unseren Büchern haben.“

Kooperation mit Wissenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg

Diese Einblicke in das Geschäft von Munich Re erklären, warum bei dem Rückversicherer eine so hohe Anzahl von Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen arbeitet. „Nur mit deren Wissen konnten wir ein besseres Verständnis zum Klimawandel erlangen und die Änderungsrisiken daraus besser analysieren“, berichtet Rauch.

Links im Bild: Ernst Rauch

Voraussetzung für dieses tiefgreifende Verständnis sei eine ausgefeilte Analytik, erzählt Rauch. In enger Zusammenarbeit mit Geowissenschaftlern und Daten-Analysten wurden statistische Simulationsmodelle entwickelt, die Wetterrisiken mit vielen Parametern durchspielen können. Dafür benötigt man eine enorme Konzentration von Know-how, bestätigt Rauch.

Die Begeisterung von Rauch für seinen Beruf macht deutlich: Für Wissenschaftler gibt es viel mehr Spannendes in der Versicherungswirtschaft, als es von außen gesehen wird. Für ihn war der Datathon ein folgerichtiger Schritt, um die Tätigkeit einer Versicherung ins richtige Licht zu rücken. Sein Resümee: „Der innere Teil von Versicherung besteht darin, an der vordersten Ebene von Wissenschaft und Technologie Dinge zu verstehen.“

Munich Re Team am Arbeiten

Ich für mich nehme mit: Teile der Klimarisikoanalyse von Munich Re haben den Charakter eines auf praktische Anwendungen fokussierten wissenschaftliches Forschungsunternehmens mit angeschlossener Data-Analytics-Abteilung. „Und da passt doch ein Datathon perfekt dazu.“

Mehr Informationen zum Thema

Munich Re hat bereits seit langem analytische Modelle im Einsatz, die Wetterrisiken mit unglaublich vielen Parametern durchspielen können. Aber erst heute steht dank der Cloud die Rechenkraft bereit, um so große Datenmengen tiefgreifend und umfassend zu analysieren.

Wie die Cloud bei Munich Re für einen neuen Schub in Risikobewertung und Klimaforschung sorgt, lesen Sie hier in unserer aktuellen Kundenreferenz.