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So werden Risikotransferkonzepte für Hilfsorganisationen möglich

Die Welthungerhilfe, eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, ist stets auf der Suche nach innovativen Ansätzen, die helfen, den Hunger auf der Welt effektiv zu bekämpfen. Derzeit testet die Organisation in Hungergebieten in Indien eine mobile App, die Kinder mittels einer 3D-Aufnahme exakt erfasst. Anhand des Scans lässt sich erkennen, ob ein Kind mangelernährt ist. Also unter einer einseitigen Ernährung leidet, bei der ein Mangel an bestimmten lebenswichtigen Stoffen besteht.

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Künstliche Intelligenz in der Entwicklungshilfe

Für die Entwicklung und den Betrieb dieser App hat die Welthungerhilfe nach einer weltweiten Cloud-Plattform gesucht. Wir sind seit Januar im Gespräch mit der Organisation und stellen der Welthungerhilfe nun Rechenkapazität aus der Microsoft-Cloud bereit. Damit können die Entwickler künftig die 3D-Scans mit Deep-Learning-Modellen aus den KI-Services von Azure auswerten.

 

Volkswirtschaftlicher Blick auf Daten

Darüber hinaus benötigt die Welthungerhilfe Partner mit fundiertem Analyse-Know-how. Hier engagiert sich Munich Re, dessen Chefvolkswirt Dr. Michael Menhart ich anlässlich des Projekts kennengelernt habe. Er hat mir erläutert, wie sich Mangel- und Unterernährung auf die Produktivität eines Landes auswirken: „Sie führt zu einer höheren Sterblichkeit und steigert die Gesundheitskosten, weil Menschen, die in ihrer Kindheit an Mangel- oder Unterernährung litten, eher an chronischen Krankheiten leiden.“

Munich Re und Microsoft als Partner der Welthungerhilfe

Außerdem, so Menhart, hat Ernährung erheblich Einfluss auf die Bildung. Sehr oft würden Familien alles Geld verwenden, um Lebensmittel für ihre Kinder zu kaufen. Eine Investition in Bildung bleibt aus, damit verdienen die Kinder weniger in ihrem zukünftigen Leben. „Nimmt man all diese Faktoren zusammen – von fehlender Bildung über schlechte Gesundheit bis hin zu höherer Sterblichkeit –, dann reduzieren Mangel- und Unterernährung das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 10 Prozent“, folgert Menhart.

Mich interessierte, wie Munich Re ihre Rolle in diesem Umfeld definiert. „Wir sind ein globaler Rückversicherer. Und in allen Teilen der Welt aktiv zu sein, bedeutet, dass wir von allen Entwicklungen in der Welt beeinflusst werden“, erörtert Menhart. „Damit ist Mangel- und Unterernährung auch für uns relevant.“

Dieser Blickwinkel erklärt, warum sich der Rückversicherer schon länger auf den Feldern nachhaltiges Risikomanagement und innovative Finanzlösungen engagiert. Dazu ist Munich Re ein Joint Venture mit der Hollard Insurance Group eingegangen: Social Impact Partners (SIP). „Wir von SIP sind der Link zwischen den operativen Geschäftseinheiten von Munich Re einerseits und den humanitären Organisationen im Entwicklungshilfesektor andererseits“, erzählt Hanna Grewe von SIP, die ich anlässlich dieses Projekts kennen gelernt habe. „Wir kennen die Möglichkeiten und Grenzen der Versicherbarkeit in diesem Bereich, aber auch die Herausforderungen der Organisationen.“

Social Impact Partners (SIP)

 

Ein Ziel: Risikoübernahme von Hilfsprojekten

Der Expertin zufolge ist eine der Kernaufgaben von SIP, maßgeschneiderte Finanzierungs- und Versicherungslösungen für alle Arten von Social Impact-Organisationen zu ermöglichen. „Diese sehen sich vielfältigen Risiken gegenüber, etwa Naturkatastrophen, Infrastrukturmängel oder politischen Risiken. Aber eine professionelle, umfassende Sicht auf die Risikoexposition ist in diesem Sektor selten gegeben“, schildert Grewe deren Lage. Dafür gibt es nur wenige innovative Risikotransfer- und Finanzierungslösungen, so Grewe. „Das ist auch kein Wunder: Es ist enorm schwierig, umfassende und verlässliche Daten aus Entwicklungsländern zu erhalten. Die sind aber erforderlich, um neue Konzepte entwickeln zu können.“

An diesem Punkt eröffnet die Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe neue Möglichkeiten. Der „Child Growth Monitor“ ist ein Ansatz, bei dem Gesundheitsdaten vor Ort strukturiert erhoben und ausgewertet werden, erläutert Grewe: „Diese Daten könnten als KPIs zur Erfolgsmessung von Hilfsprojekten herangezogen werden und so zur Entwicklung neuer Finanzierungs- und Risikotransferlösungen beitragen“.

Child Growth Monitor

Objektivierbare Messbarkeit, so Grewe, sei der erste Schritt in Richtung neuer Finanzierungslösungen. Daher hatte der Rückversicherer, zusammen mit Social Impact Partners, Microsoft und der Welthungerhilfe, Mitte November zu seinem zweiten Datathon aufgerufen unter dem Motto: „Hungerrisiken effektiver mit Künstlicher Intelligenz erkennen und bekämpfen“. Dabei waren Big-Data-Experten, Analysten und Entwickler eingeladen, im LAB der Munich Re innovative Lösungen rund um den KI-Algorithmus zu entwickeln.

Die Welthungerhilfe hatte den Teilnehmern valide Daten aus dem Child Growth Monitor zur Verfügung, welche diese mit umfassenden KI- und Big-Data-Services aus der Azure-Cloud von Microsoft verarbeiten konnten. So kamen in nur 48 Stunden interessante Lösungen zustande, beispielsweise eine automatische Einschätzung der Verlässlichkeit der KI-Ergebnisse sowie eine neue Methode, die Bewegungen der Kinder besser zu erkennen um immer genauere Ergebnisse zu erzielen.

Wie die Welthungerhilfe die Entwicklung des Child Growth Monitor mithilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz vorantreibt, lesen Sie in dieser Casestudy.

 

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Lesen Sie hierzu auch den Reisebericht von Susanne Mehrtens aus dem indischen Bundesstaat Madhya Pradesh: Wenn künstliche Intelligenz lebendig wird

Erfahren Sie in einem Interview mit Jochen Moninger, wie die Welthungerhilfe heute auf Innovationsprojekte setzt und wie davon auch die Munich Re profitieren könnte.