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Die Welthungerhilfe, eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, zählt im Kampf gegen Hunger zunehmend auf Innovationen. So entwickelt sie gerade eine mobile App, die Kinder in Hungergebieten mit 3D-Aufnahmen erfasst. Ziel des „Child Growth Monitor“ ist, zu erkennen, ob die Kinder mangelernährt sind und Hilfe benötigen.

 

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Child Growth Monitor

Solche Innovationsvorhaben steuert die Welthungerhilfe über ihre Stabsstelle Innovation. Dessen Leiter, Jochen Moninger, habe ich im Januar dieses Jahres in einem Workshop kennengelernt. Das war der Beginn eines intensiven Austausches. Denn seit Januar ist Microsoft beteiligt an diesem Projekt, da die App auf weltweiten Big-Data-Analysen mit künstlicher Intelligenz basiert.

Im Laufe dieses Projekts haben wir uns sogar in Indien getroffen. Dabei konnte ich ein sehr interessantes Gespräch mit Moninger darüber führen, wie technologische Innovationen wichtige Entwicklungshilfeprojekte voranbringen können.

Jochen Moninger

Susanne Mehrtens: Herr Moninger, seit wann hat die Welthungerhilfe eine Stabsstelle Innovation?
Jochen Moninger: Die gibt es seit Januar 2016. Wir haben erkannt, dass Innovation in der Privatwirtschaft ein erfolgreiches Konzept ist. Auch wir können davon lernen, um Geld und Arbeit möglichst wirkungsvoll einzusetzen.

Susanne Mehrtens: Was sind Ihre wichtigsten Ansatzpunkte dabei?
Jochen Moninger: Wir wollen vor allem neue Geschäftsmodelle entwickeln und die Skalierung von nachhaltigen Lösungen ermöglichen. Unsere Entwicklungszusammenarbeit vor Ort ist exzellent. Aber wir schaffen es oft nicht, erfolgreiche Konzepte zu skalieren. Über Flagship Ansätze und Branding versuchen wir Skalierung zu ermöglichen.

Susanne Mehrtens: Welche Rolle spielt hier der „Child Growth Monitor“?
Jochen Moninger: Diese App ist unser wichtigstes Projekt. In den meisten Gebieten, wo wir arbeiten, leiden durchschnittlich 40 Prozent der Kinder an Mangelernährung. Also unter einer einseitigen Ernährung, bei der ein Mangel an bestimmten lebenswichtigen Stoffen besteht. Aber wer das genau ist, lässt sich nur schwer feststellen. Nicht einmal die Mutter der Kinder kann das verlässlich.
Hier kann uns der Child Growth Monitor helfen, anhand des 3D-Scans diejenigen Kinder zu identifizieren, die am stärksten unterstützt werden müssen. Damit wäre unsere Hilfe wesentlich effizienter.

Susanne Mehrtens: Wo steht der „Child Growth Monitor“ heute?
Jochen Moninger: Es existiert ein Prototyp. Sein Frontend ist stabil und nimmt Daten auf. Zwölf Teams sind mit Endgeräten ausgestattet und trainiert, Daten im Feld aufzunehmen.

Kinder in Indien

Susanne Mehrtens: Wie wollen Sie die App weiter entwickeln?
Jochen Moninger: Der Knackpunkt ist die Gewichtserkennung. Um den Algorithmus hinter der App zu trainieren, sind voraussichtlich hunderttausende 3D-Scans erforderlich. Diese große Menge an Daten und ihre Komplexität erfordern modernste Technologien. Deshalb haben wir uns für Microsoft als Partner entschieden. Die Services für Künstliche Intelligenz in Microsoft Azure sind innovativ und wir müssen diese weltweit einsetzen können.
Wir übertragen die erfassten Daten in Azure, damit sie Ernährungswissenschaftlern und IT-Spezialisten zur Verfügung stehen. Diese werten die Daten mit Deep-Learning-Modellen aus den KI-Services von Azure aus und speisen sie wieder in die App ein. So lernt die Anwendung weiter.

Susanne Mehrtens: So eine Entwicklung erfordert einige Investitionen.
Jochen Moninger: Wir sind dabei, Gelder zu akquirieren. So sind wir bei einigen Start-up-Ausschreibungen in der letzten Runde. Ich hoffe, nochmals eine Finanzierung von 100.000, 150.000 Euro zu bekommen.
Aber ein Projekt allein bringt uns nicht wirklich weiter. Unser Ziel ist, den Child Growth Monitor Anfang 2019 als Social Business zu starten.

Susanne Mehrtens: Was verstehen Sie unter „Social Business“?
Jochen Moninger: Wenn wir wollen, dass bis 2030 eine relevante Anzahl an Kindern gescannt wird, um Mangelernährung zu identifizieren, brauche ich ein Team, das den Monitor auch bis 2030 betreibt. Das bezeichnen wir als Social Business.

Susanne Mehrtens: Ziehen Sie dafür auch Partner aus der Privatwirtschaft in Erwägung?
Jochen Moninger: Ja, wir können uns auch Partner aus der Privatwirtschaft vorstellen. Die könnten Kapazitäten dazu beitragen oder eine aktive Beteiligung mitfinanzieren mit dem Ziel, ab 2021 jedes Jahr drei Millionen Kinder zu scannen. Bis 2030 sollen es insgesamt 55 Millionen Kinder sein.

Susanne Mehrtens: Wäre Munich Re ein möglicher Partner?
Jochen Moninger: Durchaus. Das Programm ist auch für Munich Re interessant. Denn die App liefert Daten aus Entwicklungsländern, die als zuverlässig gelten. Daraus könnte Munich Re neue Risikotransferkonzepte für Entwicklungshilfeorganisationen entwickeln.

Die Welthungerhilfe war auch Partner des zweiten DataThons, zu dem Munich Re Mitte letztes Wochenende in München aufgerufen hatte. „Hungerrisiken effektiver mit Künstlicher Intelligenz erkennen und bekämpfen“ lautete der Titel dieses Social Impact DataThons. Dabei waren Big-Data-Experten, Analysten und Entwickler eingeladen, im LAB von Munich Re innovative Lösungen rund um den KI-Algorithmus zu finden.

Microsoft hat diesen DataThon mit der Azure-Cloud sowie mit umfassenden KI- und Big-Data-Services unterstützt. So kamen in nur 48 Stunden interessante Lösungen zustande, beispielsweise eine automatische Einschätzung der Verlässlichkeit der KI-Ergebnisse sowie eine neue Methode, die Bewegungen der Kinder besser zu erkennen um immer genauere Ergebnisse zu erzielen.

Wie die Welthungerhilfe die Entwicklung des Child Growth Monitor mithilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz vorantreibt, lesen Sie in dieser Casestudy.

 

Unterstützen auch Sie den Child Growth Monitor mit Ihrer Spende und helfen Sie den Kindern!

 

Lesen Sie hierzu auch den Reisebericht von Susanne Mehrtens aus dem indischen Bundesstaat Madhya Pradesh: Wenn künstliche Intelligenz lebendig wird

Erfahren Sie in einem weiteren Beitrag, wie Big Data und künstliche Intelligenz in der Entwicklungshilfe eingesetzt werden können und Risikotransferkonzepte für Hilfsorganisationen möglich werden.

Kinder in Indien werden untersucht