Globale Lieferketten sind nach wie vor massiv von Verzögerungen, Engpässen und Störungen betroffen. Zugleich sind die Kosten erheblich gestiegen: Laut Gartner® berichten 70 Prozent der Supply-Chain-Führungskräfte, dass eine der größten Herausforderungen seit 2019 darin besteht, ständig auf Störungen reagieren zu müssen.1 Lieferkettenprofis wissen: Je früher potenzielle Unterbrechungen und Engpässe erkannt werden, desto erfolgreicher sind Maßnahmen, mit denen Organisationen sich an die neuen Situationen anpassen und diese überwinden können. Die zentrale Frage lautet daher: Wie lassen sich Störungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ermitteln? Eine mögliche Antwort: mit durchgängiger Transparenz in Echtzeit entlang der gesamten Lieferkette. Und genau das leistet ein Supply Chain Control Tower.

Ein Mann bedient einen Laptop

Die Vorteile eines solchen Kontrollzentrums für die Lieferkette liegen auf der Hand. Dennoch haben viele Unternehmen noch Schwierigkeiten, ihren „Control Tower“ in die Realität zu überführen. Eine praktikable Lösung ergibt sich nun mit dem Composable-Ansatz von Microsoft Dynamics 365: Er bietet Unternehmen einen Weg, um einen Supply Chain Control Tower mit wenig Zeitaufwand bereitzustellen. In diesem Beitrag stellen wir den kombinierten Ansatz vor und erläutern den Beitrag, den er zum Erfolg von Control-Tower-Initiativen leistet.

Die Zukunft gehört dem Composable-Konzept

Composable-Lösungen prägen die Zukunft im Bereich der Unternehmens-IT. Schon jetzt gibt es Vorhersagen von Analystenhäusern wie Gartner®, dass „Unternehmen, die sich für einen Composable-Ansatz entschieden haben, ihre Marktbegleiter bis 2023 um 80 Prozent übertreffen werden“.2 Doch was genau ist der Composable-Ansatz? Bevor wir diese Frage beantworten, werfen wir einen Blick auf die bisherige Entwicklung von ERP-Lösungen (Enterprise Resource Planning). Dies wird uns helfen zu verstehen, warum „Composability“ der Schlüssel zu echter End-to-End-Transparenz ist.

End-to-End-Transparenz: Ein anspruchsvolles Ziel

In der Vergangenheit waren ERP-Lösungen meist monolithische Systeme – und dadurch teuer und nur mit hohem Aufwand anpassbar. Nachdem der Markt praktisch gesättigt war, versuchten die Anbieter, ihren Kunden mit neuen Optionen mehr Flexibilität zu bieten. Dafür wurden beispielsweise Geschäftsfunktionen wie Vertrieb oder Logistik zunehmend als modulare Komponenten angeboten. Die Folge waren zahlreiche CRM-Systeme (Customer Relationship Management), Lagerverwaltungssysteme, Transportmanagementsysteme (TMS) und auch eigene Lösungen für das Supply Chain Management, die in den Unternehmen parallel zum Einsatz kamen.

Die Modularität bot zwar ein hohes Maß an Flexibilität, doch sie brachte auch einige Herausforderungen mit sich: Das Hauptproblem bestand darin, dass einzelne Abteilungen selbst die Komponenten auswählen konnten, die ihren Anforderungen am besten entsprachen, wie eine CRM- oder eine Lagerverwaltungslösung. Der Austausch der bisherigen Lösungen und die neue Implementierung dieser Systeme waren dann oftmals zeitlich nicht aufeinander abgestimmt. Zudem stammten die neuen Systeme häufig von verschiedenen Anbietern. Aufgrund der funktionalen Unterschiede und der nur mangelhaft integrierten Lösungsarchitekturen wurden nun zeitaufwändige und teure kundenspezifische Entwicklungsprojekte begonnen, um eine durchgängige Integration im gesamten Unternehmen zu erreichen. Die anschließend abrufbare System-Performance blieb aufgrund von Latenz-, Synchronisierungs- und Datenvereinheitlichungsproblemen hinter den Erwartungen zurück. In dieser Situation befinden sich heute zahlreiche Organisationen, und sie ist auch der Grund dafür, warum keine echte End-to-End-Transparenz in der Lieferkette realisiert werden kann.

Microservices als Ausgangspunkt für den Composable-Ansatz

Als Ausweg aus diesem Dilemma begannen verschiedene Technologieanbieter, Businesslösungen in ihr Portfolio aufzunehmen, die auf Microservices-Architekturen basieren. So sollten die Anwendungen für Kunden weiter verbessert und eine Lösung für die mangelhafte Integration der Punktlösungen geschaffen werden. Unternehmen können jetzt Lösungen wählen, die auf individuelle Workloads zugeschnitten sind. So lässt sich beispielsweise ein Prozess in der Auftragsverwaltung durch die Zusammenführung von Auftragsorchestrierung, Fulfillment und Lagerverwaltung integrativ steuern.

Diese Microservices, wie z. B. für Echtzeit-Lagerverwaltung und -Fulfillment, bieten nicht nur ein Plus an Flexibilität, sondern lassen sich auch einfach mit anderen Microservice-Anwendungen verbinden. Sie nutzen API-gesteuertes Messaging, sodass Daten und Aktionen abgerufen und zwischen verschiedenen Systemen übertragen werden können, wodurch sich mehrere Vorteile ergeben: geringere Latenz, bessere Synchronisierung und eine durchgängige Echtzeit-Transparenz im gesamten Prozess. Aufbauend auf diesem Prinzip kann mit dem Composable-Ansatz auch ein Supply Chain Control Tower rasch bereitgestellt werden.

Der Composable-Ansatz mit Dynamics 365

Gartner®-Prognosen zufolge werden bis 2026 ganze 80 Prozent der Unternehmen erhebliche Wertverluste erleiden, wenn sie ihre Initiativen für Digital Supply Twins und Control Tower nicht zusammenführen3, und dieser Aussage schließen wir uns an. Unsere Microsoft-Lösungen helfen Unternehmen dabei, diese Probleme von vornherein zu vermeiden, denn ihr Composable-Ansatz ermöglicht die Zusammenführung der entsprechenden Initiativen.

Bei Microsoft sehen wir Supply Chain Control Tower als einen Shared-Service-Prozess, der sich aus einer Kombination von Supply-Chain-Workloads zusammensetzt. Beispielsweise können ein Supply Chain Control Tower und ein digitaler Zwilling mit Dynamics 365 Supply Chain Management, Dynamics 365 Intelligent Order Management und Dynamics 365 Supply Chain Insights (Preview-Version) erstellt werden, ergänzt durch die Microsoft Power Platform und eine zunehmende Anzahl von digitalen SCM-Partnerlösungen.

Dynamics 365 Intelligent Order Management ist für Unternehmen im Groß- und Einzelhandel, im Direct-to-Consumer (DTC)- und Konsumgütersektor sowie in der Fertigungsbranche oft ein guter Ausgangspunkt, um einen Supply Chain Control Tower aufzubauen. Denn: Die IOM-Lösung basiert bereits auf einer Microservices-Architektur, die regelbasierte Auftragsorchestrierung und -erfüllung, eine Echtzeit-Lagerverwaltung und künstliche Intelligenz umfasst.

Diese Option steht für einen wichtigen Schritt hin zu einem Composable-Ansatz, der es Unternehmen ermöglicht, mit einem Supply Chain Control Tower die gewünschte End-to-End-Transparenz in Echtzeit zu realisieren. Die „Composability“ der Lösung bedeutet auch, dass sie schnell in den Livebetrieb gehen kann und dass die Unternehmen den Nutzen ihrer bestehenden Investitionen dank der einfachen Integration in bestehende ERP-Systeme maximieren können.

Ein Blick in die Zukunft

Supply Chain Control Tower, die mit Dynamics 365 Intelligent Order Management aufgebaut werden, versetzen Unternehmen in die Lage, schneller und intelligenter auf Störungen und Unterbrechungen, aber auch auf neue Chancen entlang ihrer Lieferkette zu reagieren. Dynamics 365 Intelligent Order Management arbeitet einerseits nahtlos mit jedem ERP- und CRM-System zusammen; andererseits kann es als Standalone-Anwendung eingesetzt werden, sodass Unternehmen direkt in ihre Control-Tower-Initiativen einsteigen können, ohne weitere Dynamics 365-Lösungen zu benötigen. Unsere Anwendung lässt sich nahtlos in viele marktführende API-fähige Lösungen integrieren und nutzt vordefinierte, „out of the Box“ verfügbare Konnektoren zu Auftragsannahmesystemen, Steuerberechnungstools und Drittanbieterlösungen von Logistikpartnern. Darüber hinaus automatisiert und optimiert sie das Fulfillment mithilfe von KI und Echtzeit-Omnichannel-Bestandsdaten.

Kommt es zu Störungen in der Lieferkette, können Supply-Chain- und Commerce-Expert*innen schnell Neukonfigurationen von Auftragsflüssen vornehmen – mit einfachem Drag-and-Drop auf einer Low-Code-/No-Code-Oberfläche. Auf diese Weise können Unternehmen ihre digitale Transformation im Bereich des Order Managements beschleunigen und die Auftragsabwicklung in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.

Tipp: Einen kompakten Überblick über dieses Thema bietet auch das englischsprachige On-Demand-Webinar: A Composable Approach to Rapidly Deploy a Supply Chain Control Tower


Quellen:

  1. Gartner, Hype Cycle for Supply Chain Strategy 2021, 14. September 2021.
  2. Gartner, Composable Commerce Must Be Adopted for the Future of Applications, 18. Juni 2020.
  3. Gartner, Predicts 2022: Supply Chain Technology, 17. November 2021.

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